Im Sunshine Palace... und anderswo

      Im Sunshine Palace... und anderswo

      Infolge des Anschlags vom 7. Januar gab es nun täglich Treffen des Präsidenten im Union Office mit dem Secretary of Defense (Steven Hutz), dem Secretary of Interior (Charles Hasslein Sr.) und dem Secretary of Homeland Security (Donald McCole). In den letzten Briefings ging es hauptsächlich um die Umstände des Attentats, man besprach die Hintergründe des Angriffs, wie es dazu kam, wer die Täter waren und welche Ausrüstung sie benutzten. Sie besprachen die weiteren Schritte um so ein Ereignis nie wieder vorkommen zu lassen. Heute drehte sich das Briefing ausschließlich um die Fortschritte der Untersuchungen durch das Union Bureau of Investigation, und es gab schlechte Nachrichten.

      "Gentlemen, bitte setzt euch." sagte Präsident Waxman und deutete auf die Stühle in der Mitte des Raums. Er füllte sich ein Glas mit Wasser und setzte sich anschließend ebenfalls zu ihnen. "Ich habe gehört es gibt Neuigkeiten bezüglich der Untersuchungen? Donald, bitte erläuterte." führte er fort und blickte nun in Richtung des Ministers des Heimatschutzministeriums. "Die gute Neuigkeit ist, der letzte Attentäter des Anschlags wurde von unseren Agenten des UBI ausfindig gemacht." Statt nach der schlechten Nachricht zu fragen, blickte der Präsident ihn durchdringlich an. McCole räusperte sich bevor er fortfuhr. "Die schlechte Nachricht ist, dass er tot ist." Der Präsident rieb sich die Stirn während er sich zurücklehnte. "Was ist passiert? Mussten die Agenten ihn erschießen? War es Selbstmord?" McCole holte eine Mappe mit Dokumenten aus seiner Aktentasche hervor und behielt sie ihn den Händen. "Die UBI-Agenten sind nach ihren Untersuchungen zu dem Schluss gekommen, dass der Attentäter Selbstmord begangen hat.". "Wir haben da allerdings einen leisen verdacht, Mr. President." wand Innenminister Hasslein Sr. nach einem kurzen Moment der Stille vorsichtig ein. "Sehen Sie, ..." begann McCole und schlug die Mappe auf. "Ich habe diese Dokumente die ganze Nacht studiert und mich für eine weitere Meinung an einen Rechtsmediziner aus Derry gewandt, mit dem ich früher mal zusammengearbeitet habe als ich selbst Agent im UBI war." Er deutete auf eine Sammlung von Bildern der Leiche. "Abseits des Genickbruchs gibt es mehrere verdächtige Blutungen an den Armgelenken und den Beinen, welche darauf deuten dass er sich gegen einen Angreifer verteidigt hat. Zumal der Angreifer kaum schwer genug war um sich beim erhängen das Genick zu brechen, nicht auf der Höhe. Vielmehr wäre er durch Asphyxiation gestorben, als durch einen Genickbruch. Mit mehreren Brüchen wohlgemerkt." Der Präsident reichte Minister McCole die Hand und bat um die Mappe um sich selbst einen genauen Überblick zu verschaffen. Schließlich legte er sie nach knapp eineinhalb Minuten beiseite. "Sie wollen mir also suggerieren, dass der Attentäter ermordet wurde. Und da die Agenten des UBI nichts davon in ihrem Bericht erwähnen...". McCole nickte und blickte nachdenklich zu Boden. "Was schlagen Sie vor?" fragte Waxman nach und McCole hob wieder den Kopf. "Mr. Hasslein Sr. und ich haben uns da für eine Weile beraten und wir denken es wäre angebracht, wenn wir Agenten der National Agency of Security mit der Untersuchung der am Fall beteiligten UBI-Agenten beauftragen.". "Das gefällt mir nicht." antwortete Waxman nachdenklich. "Mir auch nicht." antwortete Hutz und fuhr fort: "Ich mag nur an den Agentenkrieg zwischen der UBI und der NAS in den 1960ern zurückerinnern. Präsident Durand zahlte dafür mit dem Leben.". "Mr. President, Mr. Hutz, nichts für Ungut, aber das war damals eine völlig andere Situation. Die UBI und die NAS haben nicht mehr denselben Einfluss wie damals. Dafür hat Präsident Carlisle mit seiner Umstrukturierung der beiden Behörden in den 70ern gesorgt. Abseits davon ging es damals mehr als um bloße gegenseitige Untersuchungen." wand Minister Hasslein Sr. ein, welcher in den 1970ern selbst an der Umstrukturierung und Neuverteilung der Zuständigkeiten in den 1970ern als junger Politiker mitgewirkt hatte. "Wie viele Agenten wären von den Untersuchungen betroffen?" hakte Waxman nach und rieb sich den Hals. Das ganze Thema war ihm gänzlich unangenehm und machte ihn nervös. "Zwei, Mr. President. Die NAS dürfte einen fähigen Agenten abstellen können für diese Untersuchung. Also wären insgesamt drei Agenten in dieser Sache involviert." erklärte McCole. "Okay." begann Waxman, pausierte kurz und hob mahnend den Zeigefinger bevor er fortfuhr: "Ich will dass über diese Angelegenheit absolutes Stillschweigen bewahrt wird. Höchste Sicherheitsstufe! Verstanden?" Alle anwesenden nickten. Die Situation wurde nun von einer sicherheitspolitischen Bedrohung zu einer ausgewachsenen Verschwörung auf Bundesebene. Das musste unverzüglich aufgeklärt werden. Präsident Waxman löste das Meeting auf und blieb allein mit einem Glas Whiskey in seinem Sessel zurück und blickte zum Fenster hinaus.
      14. Januar 2021 9:00 Uhr | Union Office, Sunshine Palace | Sunshine, New Heston

      Seit dem letzten Meeting bei dem Präsident Waxman die Untersuchungen gegen die zwei UBI-Agenten durch einen Agenten der National Agency of Security veranlasst hatte, waren nur wenige Tage ins Land gezogen. Doch waren diese vergleichsweise ereignis- und ergebnisreich. Die Ermittlungen rund um die beiden UBI-Agenten brachten Interessante aber auch bedenkliche Neuigkeiten hervor, die es umgehend zu besprechen galt. Wieder trafen sich Verteidigungsminister Steven Hutz, Innenminister Charles Hasslein Sr. und Heimatschutzminister Donald McCole im Union Office, um den Präsidenten über die neuesten Erkenntnisse zu unterrichten.

      “Gentlemen, ich habe gehört es gibt Neuigkeiten.” eröffnete Präsident Waxman das Meeting und deutete wieder einmal auf die Stühle vor seinem Schreibtisch. Auf dem Tisch aus hochwertigem Ebenholz standen seit dem Treffen am 10. Januar fast jeden Abend eine Whiskyflasche und auch jetzt hatte der Präsident ein halbvolles Glas vom Vorabend auf dem Tisch stehen, an dem er ab und an nippte. “Mr. President, ich will Ihnen nicht zu Nahe treten, aber... sie haben alles im Griff, ja?” fragte Innenminister Hasslein Sr. mit einem besorgten Blick. Präsident Waxman schob das Glas umgehend von sich und versteckte die Flasche unter dem Tisch. “Es geht mir gut. Kommen wir zum wesentlichen.” wies Waxman die Sorge Hassleins ab und blickte McCole erwartungsvoll an. “Agent Miller von der NAS hat uns heute Morgen die Ergebnisse seiner bisherigen Untersuchungen zukommen lassen.” eröffnete McCole und holte wieder eine Mappe mit Dokumenten aus seinem Aktenkoffer, in welcher er umgehend herum blätterte, bis er die richtige Seite fand. Schließlich fuhr er fort: “Er war dabei etwas ambitionierter als wir es von ihm erwartet hatten. Ganz zu unserem Glück.”. McColes Miene verfinsterte sich plötzlich. “Mr. President, Agent Miller hat herausgefunden, dass die UBI-Agenten von höchster Stelle des UBI-Direktoriums in dieser Sache angewiesen wurden. Dies belegen Nachrichten die die Agenten mit ihren Diensthandys empfangen haben. Es gelang dem Agenten diese zu entschlüsseln. Zusätzlich wurden ungewöhnliche Zusatzzahlungen an diese Agenten, wenige Tage nach dem Suizid des Attentäters festgestellt. Daraufhin wechselte Agent Miller seinen Fokus auf das Direktorium des UBI. Die Anweisungen kamen wie es aussieht von niemand anderem als Direktor Kevin Mayfield persönlich.” Präsident Waxman unterbrach McCole an dieser Stelle abrupt: “Wollen Sie mir sagen, dass das UBI meinen Tod wollte?”. “Nicht ganz.” wand McCole ein und wedelte beschwichtigend mit den Händen. “UBI-Direktor Mayfield war während seiner juristischen Arbeit vor seiner Zeit im Justizministerium ein erfolgreicher Anwalt, unter anderem arbeitete er für die Peoples Church of Southern Arcadia und boxte sie aus zahlreichen Spendenaffären und Korruptionsfällen raus. Agent Miller konnte zahlreiche fragwürdige Einnahmen von Direktor Mayfield zur Peoples Church of Southern Arcadia zurückführen, die zwischen dem 7. Januar und dem 10. Januar stattfanden. Es ist nur ein Indiz, aber das sollten wir weiter untersuchen. Es ist - seien wir mal ehrlich - die einzig logische Schlussfolgerung, da dass Attentat religiös motiviert war.” McCole klappte die Mappe zu und legte sie auf dem Schreibtisch des Präsidenten ab. Präsident Waxman starrte einen Moment regungslos auf den Tisch. Er war schlichtweg sprachlos angesichts dessen was ihm hier offenbart wurde. Ein Angriff auf sein Leben findet statt, zahlreiche Menschen sterben, darunter der Vizepräsident, und das UBI sabotiert die Ermittlungen. Es war unglaublich. “Die Peoples Church of Southern Arcadia? Die größte christliche Organisation unseres Landes?” fragte Waxman schließlich. McCole nickte lediglich. “Ich werde Direktor Mayfield noch heute entlassen und ersetzen lassen.”. “An wen dachten Sie als Ersatz?” unterbrach Hasslein Sr. den Präsidenten. “Justin Sheeran. Ein hervorragender Jurist im Justizministerium. Ich habe ihn erstmals während meines Wahlkampfs im Sommer 2019 kennengelernt und seitdem mehrfach mit ihm gesprochen. Er sollte der Aufgabe gewachsen sein.” Waxman machte eine kurze Pause um nachzudenken, bevor er fortfuhr: “Sobald Mister Sheeran bereit ist, soll er Untersuchungen gegen die Peoples Church of Southern Arcadia einleiten. Ich will dass sich das gesamte UBI auf diesen Fall konzentriert. Egal wie viele Mafiosi sich in Annesburg und Liberty über den Haufen schießen oder wie viel Geld dort gewaschen wird. Das hat höchste Priorität! Außerdem will ich dass die Steuerfahndung informiert wird, damit sie Untersuchungen einleiten können. Macht eure Arbeit, Gentlemen.” Somit waren die nächsten Schritte geplant und das Meeting war beendet.
      22. August 2021 17:00 Uhr | Waxman Ranch | New Heston

      Auf seinem beigefarbenen Pferd Buell ritt Präsident Waxman unter ständiger Beobachtung von Agenten des Secret Enforcement Service in Richtung seines Anwesens im ländlichen New Heston. Das Feuer in den Grizzly Mountains im Westen färbte den Himmel noch immer in apokalyptischen rot- und orangetönen und ein rauchiger Schleier bedeckte den Himmel. Waxman trug Cowboystiefel, graue Jeans, eine alte New Heston-Ranger-Jacke, darunter ein blaues Hemd und einen braunen Cowboyhut. Trotz des Sicherheitspersonals trug er selbst ebenfalls einen Schulterholster mit einer Pistole, neben gefährlichen Tieren traf man hier draußen in der Wüste nämlich auch heute noch Banditen und Vagabunden die durch das Land streifen, vor denen es sich zu schützen gilt, quasi wie Outlaws im wilden Westen, es gibt sie auch heute noch - wobei es heutzutage meist Mitglieder des organisierten Verbrechens sind die in der einsamen Wüste ihren kriminellen Machenschaften nachgehen. Als Waxman sich seiner Ranch näherte, erkannte er aus der Ferne an seiner Türschwelle zwei Männer in Anzügen, neben einem großen schwarzen SUV, einem Fahrzeug der Regierung. Waxman seufzte und ritt etwas schneller, brachte Buell in den Stall und ging zum Eingang des Anwesens. Vor ihm standen Außenminister Durand und Heimatschutzminister McCole. "Francis, Donald, was kann ich für euch tun?" fragte Waxman während er hineinging und die Tür offen ließ, sodass die beiden ihm folgen konnten. "Haben Sie die Nachrichten aus Astoria gelesen, Sir?" fragte Außenminister Durand und reichte ihm sein Tablet auf dem er den neusten Beitrag der FOTO bereits geöffnet hatte. Waxman ließ sich in seinen Sessel vor dem großen Kamin in der Mitte des Wohnzimmers fallen und las sich den Artikel durch. "Und das nennen die Journalismus? Dreckiger Boulevard-Mist geschrieben von ungebildeten Möchtegern-Journalisten die nicht mal ihr Studium beenden konnten. Reißerischer Propaganda-Blödsinn." urteilte Waxman scharf, warf das Tablet rüber auf die Couch und seinen Hut hinterher. "Setzt euch." sagte er zu den beiden und deutete auf die Couch. "Wir haben das warägische Außenministerium über die Inhaftierung einer ihrer Staatsbürger informiert." begann Außenminister Durand, lehnte sich zurück und fuhr fort: "Ich denke nicht das Sie den Eindruck erwecken möchten, dass das was die Astorier in ihrer Boulevardpresse schreiben auch die Meinung der UCSA widerspiegelt, richtig?" Waxman erhob sich. "Da bin ich ehrlicherweise zwiegespalten, Francis. Einerseits schicken Sie Feuerwehrleute um uns bei der Bekämpfung der Waldbrände zu helfen, andererseits ermorden sie in ihrer eigenen Heimat Minderheiten und siedeln sie aus oder bekämpfen im Northern Reach Ureinwohner." erzählte er, während er seine Jacke auszog und den Holster entfernte, mit einem verächtlichen Unterton. Er spielte auf den Bürgerkrieg von Upsallah an, der vor vier Jahren stattfand und dem Kampf gegen die Hawchik im Norden Arkadiens. Auf Upsallah hatte Waxman noch vor vielen Jahren selber viele christliche Waräger kennengelernt die in diesem Krieg umkamen oder umsiedeln mussten, Menschen die ihm bei seiner Alkoholsucht halfen und ihm die warägische Sprache beibrachten. "Die Waräger sind ein kompliziertes Volk, John." antwortete Durand und machte eine kurze Pause. "Die Handlungen der Waräger damals stehen im kompletten Gegensatz zu ihrer Politik Christen auf der Welt schützen zu wollen, das verstehe ich. Aber es ist vier Jahre her und passierte somit weit vor Beginn ihrer Präsidentschaft. Wir müssen uns um die Probleme von heute kümmern." erklärte Durand in der Hoffnung den Präsidenten zu beschwichtigen und fuhr fort: "Es wäre besser die Waräger in diesem Konflikt auf unserer Seite zu haben." Durand sah Waxman aufmerksam an. Es herrschte kurz Stille im Raum, ehe Waxman das Wort ergriff: "Die Worte der Astorier sind die Worte der Astorier, nicht unsere und das wissen die Waräger." antwortete Waxman knapp. "Da hast du wohl recht, John. Doch wie soll es weitergehen?" fragte Außenminister Durand und wieder wurde es kurz still. "Ich werde nach meinem Urlaub den Jarl zu einem Gespräch einladen und die Situation mit ihm besprechen mit dir an meiner Seite. Ich bevorzuge sowieso den diplomatischen Weg, das weißt du Francis. Wir werden keine Marinebasis der Astorier in der Caribik dulden und auch der Konflikt in Westeuridika muss ein friedliches Ende finden. Außerdem gilt es nun die Handlungen des neuen Regenten in Cölln abzuwarten." antwortete Waxman schließlich mit einer besonderen Betonung des Wortes friedlich. "Selbstverständlich, John." antwortete Durand mit einem Kopfnicken. Damit galt das Treffen quasi als beendet, die beiden Minister machten sich auf den Weg nach draußen, sie wussten wann sie den Präsidenten lieber alleine lassen sollten, er wusste schon was er tut. Waxman holte sich aus dem Kühlschrank eine kalte Sunshine Cola und setzte sich draußen auf der Terrasse in einen der vielen Korbstühle, die Richtung Westen blickten und beobachtete wie der Schleier am Himmel vorüberzog und die Sonne sich langsam dem Horizont näherte.
      12. März 2022 - Früher Abend| Adler-Anwesen | New Varangia

      Inmitten der Prärie im Westen New Varangias fuhr eine Kolonne bestehend aus einem Dutzend SUVs und Jeeps eine schmale staubige Straße entlang zum Anwesen der Adler-Familie. Die astorisch-stämmige Adler-Familie führte eines der größten Verbrechersyndikate in den östlichen UCSA an - und dies schon seit fast 100 Jahren. Ihr größter Konkurrent ist die in den 1980ern etablierte warägisch-stämmige Biker-Gang Vargarna Motorcycle Club, zu andermannisch: die Wölfe. Seit Jahrzehnten kämpfen sie mal mehr, mal weniger intensiv um die Vorherrschaft über die kriminelle Unterwelt New Varangias. Es geht dabei um Geldwäsche, Drogen- und Waffenhandel, die Kontrolle von Schmuggelrouten und sogar Menschenhandel. Seit Ausbruch des Westeuridika-Konflikts, spätestens aber mit dem Angriff auf den Jarl-Balgruuf-Stützpunkt im November 2020, hatte sich der Konflikt wieder verschärft. Jetzt ging es nicht mehr nur um die Kontrolle oben genannter Machenschaften, sondern es ging zusätzlich um Nationalismus, Ehre, Blutrache. Rationalität war in diesen Belangen fehl am Platz, jetzt hieß es Auge um Auge, Zahn um Zahn. Es gibt gar Gerüchte, dass die Vargarna MC Verbindungen zu den Milizen besitzen, die Tondern besetzt haben, wobei dies nicht bewiesen werden konnte und es somit nur Gerüchte bleiben.

      Das UBI hatte die Situation bereits seit einer ganzen Weile im Blick, doch einen so schnellen Angriff und in dieser Form hatten sie nicht erwartet, aber die Gelegenheit war perfekt. Der Patriarch der Familie und langjähriger Anführer des Syndikats Otto Adler war erst kürzlich im Alter von 93 Jahren plötzlich verstorben, kurz nachdem sein letzter lebender Sohn Erich Adler im Alter von 68 Jahren infolge eines Schlaganfalls unfähig wurde, die Familiengeschäfte zu übernehmen. Nun lag das Syndikat in den Händen seiner Tochter, der 61-jährigen Margaret Adler und ein interner Machtkampf zwischen ihr und ihren sechs Söhnen ließ sie blind werden gegenüber den äußeren Gefahren, die ihnen nun immer näher kamen.

      44 schwer bewaffnete Männer saßen in der Kolonne. Ihre Ausrüstung bestand aus Sturmgewehren, Maschinenpistolen, halbautomatischen wie vollautomatischen Schrotflinten und sogar einem Granatwerfer. Die Kolonne fuhr auf den Hof des Anwesens vor und bildete um das Hauptanwesen einen Halbkreis, während zwei der Wagen hinter das Anwesen fuhren, um mögliche Fluchtrouten abzuschneiden. "Du bist eine Frau, Mutter! Das Familiengeschäft ist reine Männersache und das weißt Du!" brüllte Dodd Adler, der älteste ihrer Söhne, welcher am ehesten einen Anspruch darauf hat das Syndikat zu führen, seine Mutter an. Die Mutter wollte ihren Jungen gerade belehren, dass er so nicht mit ihr zu sprechen hat und holte mit der Hand zum Schlag aus als sie hörten, wie die Kolonne auf das Gelände fuhr. "Sind das schon unsere Jungs aus Annesburg? Die sollten doch noch gar nicht da sein. Simone, schau nach!" sagte Dodd. Simone Adler, die Tochter von Bear, dem zweitältesten Sohn der Adler-Familie erwiderte nur mit einem kalten "Fick dich!" und verließ das Zimmer. "Pass auf, dass ich dir heute Nacht nicht die Kehle durchschneide, Du Schlampe!" rief Dodd und warf ihr sein Jagdmesser hinterher, welches er stets an seinem Gürtel mit sich trug, woraufhin Bear - der seinem Namen alle Ehre machte - sich aufbäumte und bedrohlich auf seinen Bruder zuschritt. "Scheiße, das sind die Waräger!" rief eine der Wachen, nachdem dieser zum Fenster hinausgeschaut hatte. Dodd, Bear und Margaret tauschten besorgte Blicke miteinander aus und eilten schließlich hinunter ins Erdgeschoss. Die Wache informierte gleichzeitig alle Anwesenden des Syndikats, dass sie sich bewaffnen sollten.

      "Ich regle das!" sagte Dodd und spannte den Hahn seines Revolvers, einem Familienerbstück. Statt wie sonst mit der flachen Hand schlug Margaret ihm dieses Mal mit der geballten Faust aufs Auge. "Noch habe ich hier das sagen!" sagte sie und nahm Dodd den Revolver aus der Hand, welcher lediglich geschockt die Hand über sein getroffenes Auge lag. Die Mutter trat gemeinsam mit zwei Wachen zur Vordertür hinaus um die Kolonne zu konfrontieren. "Was wollt ihr hier, hm?!" rief sie in die Menge. Es verging ein kurzer Moment des Schweigens, bis schließlich ein großer kräftiger Mann mit Glatze und einem grauen geflochtenem Bart aus der Gruppe hervortrat. In seiner rechten Hand hielt er eine abgesägte doppelläufige Schrotflinte, auf deren Lauf IIII IIII IIII IIII IIII eingeritzt war - so viele Menschen hatte er bereits mit dieser Schrotflinte erschossen. Er schob seine Sonnenbrille hoch über seine Stirn und spuckte sein Kaugummi aus. "Die Vargarna haben nun die Kontrolle über New Varangia. Dies ist unsere Heimat. Wir haben dieses Land entdeckt und es ist unser Zuhause." begann er und lehnte die Schrotflinte an seine Schulter ehe er fortfuhr: "Das ist Eure letzte Chance. Entweder ihr verlasst jetzt unser Land... oder ihr sterbt." Margaret presste die Lippen zusammen, es kostete sie enorme Kraft nicht den Revolver zu heben und ihm einfach in den Kopf zu schießen. "Wir leben hier seit über 100 Jahren. Unsere Familie ist älter als die Vargarna. Dies ist unser Zuhause." antwortete sie schließlich. Der Waräger blickte erst nach links, dann nach rechts über seine Schulter zu seinen Leuten. Anschließend musterte er das Anwesen. Inzwischen hatten sich an den Fenstern Margarets Söhne und Wachen positioniert und waren bereit.

      Der Waräger nickte, kehrte um und ging zurück zur Kolonne, die inzwischen als Barrikade funktionierte. Als er sich den Autos weit genug angenähert hatte, um hinter ihnen Deckung zu suchen, drehte er sich um, hob die Schrotflinte und erschoss Margaret, welche durch die Wucht nach hinten geworfen wurde und die Doppeltür zum Anwesen aufbrach. Nach dem lauten Knall verging anschließend eine Sekunde der Ruhe, welche sich wie eine Ewigkeit anfühlte. "Neeeeein!" rief Bear schließlich und die Schlacht begann. Nur wenige Minuten ratterten die Sturmgewehre und Maschinenpistolen, die Schrotflinten donnerten. Wenn man genau hinhörte, konnte man noch das Klimpern der Patronenhülsen, das Zerspringen der Fenster und der Fassade des Anwesens und die zerplatzenden Reifen der Autos hören. Schreie und das Blut, wie es auf die Wände und den Boden spritzte, akzentuierten die Brutalität und Grausamkeit dessen, was hier gerade passiert.

      Zuletzt kam der Granatwerfer zum Einsatz. Fump. Boom! So könnte man die Abfolge dieser Geräusche wohl beschreiben. Sechs Schuss hatte der Granatwerfer und als die alle waren, kehrte Ruhe ein. Nun hörte man das Knistern der Flammen, die sich in dem Anwesen, dass nun nicht mehr als eine Ruine war, breit machte. Ein vereinzeltes Stöhnen drang aus dem Gebäude noch hervor. "Geht rein und beendet die Sache." sprach der Waräger ruhig und ein halbes Dutzend folgte dem Befehl und betrat das Gebäude. Peng! Peng! Peng Peng! Peng! Dann kamen sie wieder hinaus und schritten wortlos an ihrem Anführer vorbei. Dieser ließ den Blick gen Boden senken, ehe sich ein breites Grinsen abzeichnete und er lauthals auflachte. "Sie sind tot! Die verdammten Wichser! Nach fast 100 Jahren! Männer wir haben hier gerade Geschichte geschrieben! Wohoo! Für die Götter! Für Warägien! Für New Varangia! Für die Varganar!" rief er. 'Für die Götter! Für Warägien! Für New Varangia! Für die Varganar!' stimmten die anderen mit ein.

      So schnell konnte ein Imperium zu Fall gebracht werden. So schnell wurden 100 Jahre harte Arbeit zunichtegemacht. In nur wenigen Minuten fand eine stolze Familie des organisierten Verbrechens ihr jähes Ende. Ein Polizeihelikopter näherte sich dem Anwesen, kreiste zweimal drum herum und flog wieder zurück. Die Waräger packten ihre Sachen und fuhren mit den Autos, die noch funktionierten, wieder zurück zu ihrem Versteck. Zurück blieben nur Blut und Tränen.