Treffen des theomedischen Außenministers mit dem mirischen Botschafter zur Besprechung der Causa Mondego

      Treffen des theomedischen Außenministers mit dem mirischen Botschafter zur Besprechung der Causa Mondego

      Es war bereits Abend, als Piotr Stratis' Wagen auf dem Gelände der mirischen Botschaft einfuhr. Die Sonne hing tief über der Innenstadt von Theodopolis, ließ die oft weißen, neoklassizistischen Bauten des Botschaftsviertels in unzähligen Rottönen erstrahlen und schaffte es, selbst mit dem üblichen Lärm des Großstadtverkehrs im Hintergrund eine idyllische Atmosphäre zu schaffen. Stratis kam nicht umhin, diesen Anblick auch nach vielen solcher Dienstbesuche zu bewundern, auch wenn er sich die Hand vors Gesicht halten musste, um sich die niedrig stehende Sonne aus den Augen zu halten. Dennoch war er nicht primär hierher gekommen, um das Ambiente zu bewundern, ganz im Gegenteil.

      Als die Nachricht aus der mirischen Botschaft mit der Bitte um Gespräche sein Ministerium erreicht hatte hatte Stratis zunächst mit dem Gedanken gespielt, einen seiner Untergebenen zu dem Treffen zu entsenden. Doch letztlich war die Angelegenheit zu wichtig, um sie nicht selbst in Angriff zu nehmen. Um Mondego war es zwar in letzter Zeit ruhig geworden - der mondegassische Sozialismus hatte sein Ende gefunden, und statt einander mit gezückten Säbeln entgegen zu rasseln hatten sich die beiden größten verbliebenen Parteien zusammengesetzt, um auf die Wiedervereinigung des Landes hinzuarbeiten. Doch momentan hing alles in einer gefährlichen Balance, deren Stabilität trügte. Immer noch gab es Kampfhandlungen mit Unterstützern der Monarchie, trotz angelaufenem Dialog mit der neuen mondegasisschen Koalition - die selbst nur langsam darin vorankamen, zwei teilweise stark verschiedene Systeme aufeinander abzustimmen. Und natürlich konnte man auch das Königreich Mira nicht außer Acht lassen, welches als einziger Nachbar Mondegos nicht nur reges Interesse an der Zukunft des Landes haben dürfte, sondern auch bis heute noch große Landstriche in Südwestmondego besetzt hielt.

      Bereits 2017 hatte die theomedische Regierung in einem Anflug von Weitsicht versucht, sich mit den Miren bezüglich der Zukunft des Landes abzustimmen, doch nachdem die Gespräche im Sand verlieren blieb die Angelegenheit unbeantwortet, und die Intentionen des Wüstenkönigreichs unklar. Doch mittlerweile war man im mondegassischen Friedensprozess so weit voran geschritten, dass man die Frage nicht weiter aufschieben konnte. Und aufgrund der delikaten Gesamtlage war es aus Sicht Stratis' das Beste, wenn er sich selbst der Sache annahm.
      "Guten Abend, Außenminister Stratis! Es freut mich Sie zu sehen. Hatten Sie eine angenehme Anreise?" begrüßte der mirische Botschafter Stratis und führte ihn zu seinem Büro wo die Gespräche stattfinden würden. Denn obwohl es draußen sehr angenehm war, wollte man die Gespräche abseits blendender Sonnenstrahlen und Großstadtlärm führen. Sein Büro war recht schlicht und modern gehalten und war deshalb vergleichsweise hell als in vielen anderen Büroräumen anderer Botschafter. Man hatte in Jassecine lange darauf gewartet, dass diese Gespräche stattfinden, sodass man die Mondego-Frage endlich klären konnte und man zu einem Ergebnis kam, das hoffentlich beide Seiten zufrieden stellt.

      "Wie in unserer Einladung erwähnt, möchten wir über den Bürgerkrieg in Mondego sprechen. Dieser liegt ja glücklicherweise seit einer Weile still und Kampfhandlungen zwischen den beiden verbliebenen Parteien bleiben aus. Uns ist als Nachbarstaat des ehemaligen Königreiches selbstverständlich sehr daran gelegen, diesen Friedensprozess zu unterstützen und das Land langfristig zu stabilisieren, gerade auch deshalb weil Mondego - oder zumindest das von uns besetzte Gebiet - die Brutstätte vieler Gruppierungen war, die sich dem Kampf gegen Mira verschworen hatten. Entweder weil Sie den Islam bekämpfen wollten, die mirische Monarchie oder uns vorwarfen Mondegassen in Mira zu unterdrücken.

      Die Zerschlagung der 'Söhne Mondegos' war die größte Motivation für die Invasion unsererseits. So konnten wir innerhalb kürzester Zeit diese terroristische Miliz zerschlagen, aber auch gleichzeitig die Sozialisten enorm schwächen und sie vom Nachschub aus Westmondego abschneiden. Ich möchte auch erwähnen, dass wir den Vorstoß unserer Armee vorzeitig gestoppt haben, um eine Konfrontation mit Einheiten ihrer Armee zu vermeiden."


      Der Botschafter pausierte kurz und goss sich ein Glas Saft ein, wovon er genüsslich einen Schluck trank, ehe er weiter sprach.

      "Nun haben wir natürlich den Verlauf und die Ergebnisse der Mondego-Konferenz aufmerksam verfolgt und sind mit dem Ergebnis bisher sehr zufrieden. Um uns positiv am Friedensprozess zu beteiligen möchte ich folgen Vorschlag unterbreiten:

      Das Königreich Mira zieht die Hälfte seiner in Südwestmondego stationierten Truppen ab, die andere Hälfte verbleibt bis zum Abschluss des Friedensprozesses um weiterhin den Frieden, die Stabilität und die Sicherheit in der Region zu sichern und weitere terroristische Zellen der übrig gebliebenen Söhne Mondegos und der Sozialisten zu zerschlagen, zu verhaften und im Königreich Mira zur Rechenschaft zu ziehen. Weiterhin möchten wir finanzielle und logistische Hilfe zum Wiederaufbau der Infrastruktur anbieten um die Situation und Lebensqualität der mondegassischen Bevölkerung zu verbessern und dafür wird Mira in Zukunft an allen weiteren Konferenzen und Dialogen zum Friedensprozess in Mondego beteiligt.

      Auch möchten wir Ihnen anbieten, Ihnen Hilfe zu leisten, wenn Sie diese in Anspruch nehmen möchten. Wie diese Hilfe aussieht müssten wir beide natürlich heute definieren.

      Was sagen Sie zu unserem Vorschlag, Außenminister Stratis?"
      Außeniminister Stratis warf kurz einen Blick auf seinen Hut, mit dem er trotz - oder vielleicht gerade wegen des warmen, sonnigen Wetters - angereist war und der nun zu seiner Seite lag. Der Moment kam und ging ohne großes Aufsehen, und er fokussierte sich wieder auf den Botschafter. "Mir gefällt das nicht wirklich", verkündete er plötzlich unverhohlen, und faltete seine Hände vor sich.

      Piotr Stratis galt bereits seit jeher als eine der am stärksten gemäßigten Persönlichkeiten auf dem politischen Parkett Theomedias, auch lange vor seinem Eintritt in die Regierung. Nicht nur teilte er Ansichten liberaler Strömungen wie einen stärker ausgeprägten Föderalismus innerhalb des Landes und eine radikale Abkehr von der für die Republik fast schon archetypischen Doktrin, direkte und uneingeschränkte militärische Intervention als Mittel zur Umsetzung eigener Interessen zu sehen - er war sich auch selten zu Schade gewesen, diese Positionen lautstark zu vertreten. Gerüchten zufolge war genau dies der Grund gewesen, warum General Kirkenes ihn bereits früh für sein Kabinett auszuwählen. Teils, um gemäßigte Elemente innerhalb Selucias zu plakatieren, ja, doch auch, um einen Mann zu haben, der den Willen besaß, tatsächliche Veränderungen auch gegen die etablierten Eliten erzielen zu können. Beim Erreichen der bisherigen Meilensteine im mondegassischen Friedensprozess hatte sich dies bereits bewährt. In einem Gespräch mit dem hohen Vertreter einer involvierten Regionalmacht, die gegen einige Zugeständnisse quasi ihren Segen versprach könnte dies jedoch fatal enden.

      Stratis, augenscheinlich unbeeindruckt von solcherlei Erwägungen, lehnte sich nach einer kurzen, dramatischen Pause lediglich etwas zurück, und fuhr unbeirrt fort: "Viele Köche verderben den Brei, Herr Tawfiq. Das haben wir über viele Jahre in Mondego gesehen, wo sich Länder aus aller Welt daran versucht haben, ihr eigenes kleines Regime aufzubauen und, direkt oder indirekt, wieder und wieder Feuer in einen Konflikt gegossen haben, der hunderttausende Menschenleben gekostet hat und genauso gut noch hätte 10 Jahre andauern können. Eine tragische und gefährliche Situation, die aus dem politischen Zerfall Mondegos heraus entstanden ist, aber die um ein vielfaches durch eigennützige und destruktive Einmischungen von Außen schlimmer wurde. Nach all dem ist der Weg zurück zu Frieden und Stasbilität genauso wie der Ausbruch des Konflikts eine inherent mondegassische Angelegenheit, und es fällt mir bereits schwer genug, Theomedia allein auf konstruktive Weise in den Prozess zu integrieren. Dass niemand sonst außer die gesprächswilligen Parteien aus Mondego zur Konferenz in Actantina geladen war, hatte schließlich seinen Grund".

      Eine weitere Kunstpause folgte, ehe der Außenminister nochmals das Wort erhob, begleitet von einem anerkennenden Nicken: "Aber, es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Mira als direkter Nachbar und Ziel von mondegassischem Terror mehr denn vermutlich jede andere Nation ein Interesse daran hat, dass im Land wieder Normalität einkehrt. Und ebenso anerkennend muss man betrachten, wie ihr Königreich sich darum bemüht hat, ein endloses Fortdauern des Konflikts zu unterbinden und Frieden zu stiften statt Land zu gewinnen. Es ist dann ohne Zweifel verständlich, um eine Beteiligung an der Lösung des Problems vor der eigenen Haustür zu bitten".

      Stratis beugte sich wieder ein wenig nach vorn und löste seine Hände, um mit ihnen dezent gestikulieren zu können. "Das wichtigste in meinen Augen ist, dass Sie mir garantieren können, dass Mira sowohl die politische als auch territoriale Einheit eines neuen mondegassischen Staats unter Beteiligung der Mondegassen unterstützt, und sich dem nicht in den Weg stellt. Wenn Sie das können, dann sehe ich es nur als fair, Mira allumfassend in den Friedens- und Wiederaufbauprozess mit einzubeziehen".
      Botschafter Tawfiq hörte Außenminister Stratis aufmerksam zu und verzog während seiner Ausführungen keine Miene und schwieg, lediglich nickte er leicht um dem Außenminister zu zeigen, dass er ihm aufmerksam zuhörte. "Unsere Bevölkerung in der Nähe der Grenze zu Mondego hat seit Beginn des Bürgerkrieges unter den Auswirkungen leiden müssen. Auch die Wirtschaft in der Region schwächelt seit Jahren und baut stark ab, viele fühlen sich in ihrer Heimat nicht mehr sicher. Angesichts fast täglich stattfindender Angriffe und Anschläge in einem Zeitraum von fast sechs Jahren nicht gerade verwerflich. Selbstverständlich ist uns daran gelegen, unsere Bürger und unsere Wirtschaft zu schützen. Langfristig gelingt dies nur mit Sicherheit, wenn Mondego wieder ein gewisses Maß an Stabilität erlangt. Von daher kann ich Ihnen garantieren, Außenminister Stratis, dass das Königreich Mira der Bildung eines neuen einheitlichen Mondego wohlwollend gegenübersteht und kein Interesse daran hat, diesen Prozess zu stören und den Konflikt weiter hinauszuziehen."