Worldvision Song Contest 2018 in Chiancong: Der große Abend!

      Worldvision Song Contest 2018 in Chiancong: Der große Abend!

      Worldvision Song Contest 2018

      Chiancong



      Quelle (Silhouetten) | Designed by Freepik | Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license



      Wer einer der zahllosen Zuschauer war, die sich überall verteilt in der Welt bereits in Vorfreude vor einem Fernsehgerät versammelt hatten, konnte nun das Logo des diesjährigen WSC über den Bildschirm flackern sehen. “Ist es endlich soweit?!“ vermochten sich einige besonders ungeduldige Zuschauer nun vielleicht zu fragen. Doch „soweit“ konnte es noch nicht ganz sein, denn der Timer, der in der oberen rechten Ecke des Bilds bereits seit bald einer Stunde unermüdlich runterzählte hatte Null noch nicht ganz erreicht – etwas mehr als drei Minuten verblieb es scheinbar noch zu warten. Doch etwas tat sich, soviel war klar!





      Nachdem das Logo aufgeflackert und genauso schnell wieder verschwunden war blieb ein kurzer Moment der Stille. Dann, plötzlich, setzte leise Musik ein, begleitet von Aufnahmen in Schwarz-Weiß, die sich nur allmählich vom vorherigen schwarzen Hintergrund abhoben. Es schien eine karge Welt zu sein, die sich dem Zuschauer zeigte. Der Trott des Alltags und die Bürden des Lebens schienen den Rhythmus der Menschen zu bestimmen. Frauen, Männer und Kinder quälten sich durch ihre täglichen Abläufe, machten erschöpfte und verzweifelte Gesichter. Es gab nur Arbeit, kein Vergnügen.
      Doch was war das?

      In heldenhaften Posen traten sie ins Bild, mit siegesgewisser Miene, ihre Waffen bereit. Es dauerte nicht lange, da folgte ihnen die Farbe, die zurückkehrte, um die Tristesse wieder zu füllen. Wer sie waren? Jeder, der schon einmal einen der vorigen Wettbewerbe gesehen hatte, konnte dies sofort beantworten – allesamt waren sie frühere Teilnehmer des WSC. Im Vordergrund versammelt waren natürlich jene früheren Gewinner. Künstler wie die redonische Hittruppe Paramore, die Affenbande rund um Heatwave oder die Sieger des letzten Jahres, doch konnte man im Hintergrund auch zahlreiche andere Musiker erspähen, seien sie nun aus Wolkowien, Ehrastan, Meridiem, Taussen, Ryukyu oder von andernorts. Sie waren die Helden, und sie alle waren bereit, mit ihren Instrumenten und ihren Stimmen wieder Freude in diese Welt zu bringen.

      In der folgenden Videomontage ging es dann in alle Ecken der Welt, um jene Lebenslust und Farbenpracht zu verbreiten, die verlorengegangen zu sein schien. Sei es in Redonien, wo in Empire Bay von der Musik verzauberte Autofahrer aus ihren Wagen gelockt wurden und zu scheinbar hunderten den Stau hinter sich ließen, oder in Vogar, wo die Spannungen zwischen den Menschen für einen Tag vergessen schienen und Hawchik zusammen mit Vogaren durch die Straßen von Ludendorff zu tanzen begannen.

      In Euridika unterdessen reicht sich Taussen, Lobensteiner und Theomeden freundlich die Hand, nur um wenig später unter Gelächter in Wettstreit darüber zu treten, wer das beste Gitarrenspiel besaß. Im hohen Norden mühten sich die nordischen und warägischen Nordmänner mit Eis und Schnee, bevor die zarte Stimme und das Gitarrenspiel von Linnea ihre Herzen zu erwärmen vermochten. Noch ein wenig weiter östlich waren es Sewaren, Karjaken und Wolkowen, die zuvor noch in Fabriken Wohlstand für ihre Nationen generierten - zwar äußerst geschäftig, aber scheinbar nicht allzu glücklich – die am Feuer beisammen saßen und zu Spirituosen und musikalischem Spiel von Ingrid Rúsza im Hintergrund munter Geschichten austauschten, begleitet von ausgiebigem Gelächter. In den Wüsten Ehraniens war es ein einsamer Hirte, der sehnsüchtig in den Abendhimmel starrte und erst von einer Gruppe Rabbiner aus seinem Trott gerissen wurde, doch schnell begann, sich ihrem heiteren Tanz und Gesang anzuschließen.

      Überall in Asua waren es Bauern, Fischer und Waldarbeiter, die sich von den fremdartigen Klängen aus aller Welt verzaubern ließen und einen Einblick in eine Welt erhielten, die niemandem versperrt blieben sollte. Schulmädchen aus Ryukyu erinnerten sich wieder daran, dass Lernen und das Streben nach Perfektion nicht die einzigen Dinge sein sollten, die ihr Leben ausfüllten, während sie sich dazu entschlossen ihre Rucksäcke beiseite zu werfen, das volle Kiyomaru hinter sich zu lassen und stattdessen die Naturwunder zu erkunden, die ihr Land zu bieten hatte. Und schließlich war auch Kusari erreicht, wo ein Blumenmädchen bereits seit langem vergessen zu haben schien, welche Schönheit den Blüten innewohnte, die sie tagtäglich pflückte und verkaufte. Doch die Menschenmenge aus fröhlich Singenden und Tanzenden, welche die Künstler aus aller Welt zusammengetrieben hatten überrumpelte sie, und zog sie mit sich. Hinein in die Hallen des Rạng-đông-Stadions, das, getaucht in die Strahlen der Abendsonne, fast schon magisch glitzerte. Jenem Ort, an welchem der diesjährige WSC ausgetragen werden würde.


      Quelle | Mr Vinx | Public Domain

      Das Rạng-đông-Stadion im Westen Chiancongs an einem leicht nebligen Septembermorgen. Normalerweise wird die Einrichtung, die etwa 44.000 Besucher fassen kann hauptsächlich Austragungsort zahlreicher Fußballspiele und die Heimat des kusarischen Erstligisten '92 Chiancong. In den letzten Jahren jedoch wurden auf der großen Hauptfläche, die sich bei schlechtem Wetter auch überdachen lässt allerdings auch immer öfter Konzerte oder Musikfestivals abgehalten, was das Stadion bereits früh als möglichen Austragungsort des WSC qualifizierte.



      Musik und Bild verstummten erneut, und der kleine Zähler in der Ecke erreichte endlich die Null. Nun war es soweit.

      Pünktlich nach Erreichen der Stunde Null zeigte der Bildschirm erneut eine Aufnahme des Rạng-đông-Stadions aus etwa der selben Position wie zuvor. Diesmal war es jedoch bereits Nacht, hauptsächlich die großen Scheinwerfer an den äußeren Rändern des Gebäudes sowie in der Ferne die bunten Straßen- und Hausbeleuchtungen der kusarischen Hauptstadt Chiancong erhellten die Szenerie. Während im Hintergrund bereits erneut Musik anzuschwellen begann erschien auf dem Bildschirm eine kurze Nachricht:


      DIE IBU UND DER KUSARISCHE RUNDFUNKBUND PRÄSENTIEREN IHNEN MIT STOLZ DEN


      WORLDVISION SONG CONTEST 2018


      LIVE, AUS CHIANCONG, KUSARI





      Mit dem vollen Einsetzen der lebhaften, jazzigen Melodie wechselte das Bild schließlich zu einer weiten Innenaufnahme des Stadions und enthüllten, worauf zumindest die Zuschauer aus aller Welt angespannt gewartet hatten. Das Innere der Halle war ausgefüllt mit einer großen Bühne, an deren Seite ein Ensemble des lokal äußerst renommierten und auch schon früher beim WSC vertretenen West Chiancong Orchestra live das Intro spielten. Ihnen entgegen jubelte eine Menschenmenge, die gute 6.000 bis 7.000 Menschen umfasste – zumindest dem Geräuschpegel nach zu urteilen. Begleitet von der Musik und einem angeregten Lichterspiel, welches der normalerweise eigentlich eher spärlich eingesetzten Hallenbeleuchtung einiges abverlangte, trat durch die Seiteneingänge eine Prozession auf das Hauptfeld hinaus, wie man sie so wohl eher während der traditionellen Neujahrsfeierlichkeiten erwarten würde. Zahlreiche Darsteller waren daran beteiligt, überlebensgroßen, traditionellen kusarischen Puppen Leben einzuhauchen und sie in Richtung der Tribüne zu führen. Jede der Puppe repräsentierte eine der Teilnehmernationen des WSC und war dementsprechend entweder ein Tier oder Fabelwesen, dass man ganz klar mit dem jeweiligen Land assoziieren konnte – und wem dies nicht gelang, für den gab es auch noch die Fahnenträger, die den Tieren folgten. Sei es der mystische Togrúl aus Wolkowien, der über dem Boden entlang flatterte, ein ehranisches Kamel, dessen Höcker bei jedem Schritt, den es tat, wackelten, der stolze redonische Weißkopfadler, ein mit liebe zum Detail angefertigtes, wenn auch vielleicht etwas befremdlich wirkendes Rentier aus Karjakien oder natürlich auch der ikonische kusarische Dschungeldrache, sie alle bahnten sich unter Gejubel ihren Weg zur Tribüne, den Einmarsch der heutigen Champions in die Arena symbolisierend.

      Der Tross machte jedoch nicht Halt, als er vor der Haupttribüne angekommen war, sondern tanzte ungehindert weiter in Richtung des gegenüberliegenden Ausgangs. Lediglich hinter dem Dschungeldrachen traten zwei Personen hervor, die bisher durch clevere Kameraarbeit und die Choreogrpahie der Puppen verborgen geblieben waren. Der große Anteil an Kusaren im Publikum und vielleicht auch der ein oder andere Ryuke brachen sofort in erneuten Jubel aus, denn den Meisten hier waren die beiden bekannt. Die Frau in ihrem traditionellen Ausgehkleid, Don Hong Lien, war eine noch recht junge Schauspielerin, die sich vor allem in ihrer Rolle als Thi May in der kusarischen Erfolgsserie Die Fehler unserer Väter einen Namen gemacht hatte, und von der viele hofften, sie eines Tages in einer zweiten Staffel wiederzusehen. Der Mann an ihrer Seite indes war Nguyễn Vĩnh Thọ. Der gelassen in Richtung der Kameras schmunzelnde Kusare war in früheren Jahren mit seiner rockigen und oft regierungskritischen Musik bekannt geworden, bewegte sich heutzutage aber ebenso hauptsichlich im Bereich von Film und Fernsehen, wo er des öfteren ähnliche Formate moderierte.

      „Xin chào buổi tối!“, verkündeten die Beiden schließlich in ausgelassener Synchronität, dem Publikum im Stadion sowie allen Ländern der Welt entgegenwinkend. „Und ein herzliches Willkommen zum Worldvision Song Contest 2018, hier, im wunderschönen Kusari! Ich bin Thọ, und meine wundervolle Begleiterin für den heutigen Abend ist Lien“.

      „Das bin ich!“, meldete Lien sich zu Wort und gab den Zuschauern einen verspielten Zwei-Finger-Salut. „Dieses Jahr kommt uns beiden die große Ehre zuteil, Sie alle während des heutigen Abends zu begleiten – und glauben Sie mir, wenn Sie wüssten, was wir wüssten, dann könnten Sie es noch weniger abwarten als jetzt schon! Vierzehn unglaubliche Truppen aus aller Herren Länder, die in fünfter Generation zum musikalischen Wettstreit antreten! Oh, die Vorfreude, die Ungeduld!“

      „Immer mit der Ruhe, Lien. Ich bin mir sicher, wir alle sind genauso gespannt darauf, was die zahlreichen Teilnehmer uns dieses Jahr präsentieren werden. Doch wie so oft kommt vor dem Spaß erstmal Ernst, und wir müssen denke ich vorab noch einmal fix durchgehen, was uns alle heute Abend so erwarten wird“.

      „Na gut, na gut. Also, wie jedes Jahr werden auch heute zunächst alle Teilnehmer der Welt ihre Beiträge präsentieren. Die Reihenfolge dafür wurde bereits im Voraus bestimmt und ist jetzt....“, ein Moment des Schweigens folgte, als Lien hinter sich auf die große Leinwand schielte, ein wenig ungeduldig warten. Erst einige Momente später regte sich etwas, und die Kusarin konnte erleichtert fortfahren, jetzt auf der Leinwand hinter mir sehen können“.

      „Danach beginnt die Abstimmungsphase. Wer danach überhaupt in der Lage ist, die schwierige Entscheidung zu treffen, welcher Auftritt am besten Gefallen hat, der kann eine Stunde lang per Anruf, Textnachricht oder auch im Internet für seinen Favoriten abstimmen. Die Wunder der Technik, nicht wahr?“

      „Nach Ablauf der Abstimmung folgt dann, wieder hier auf der großen Bühne, die feierliche Punktevergabe. In der selben Reihenfolge wie die Auftritte werden Vertreter der Teilnehmernationen ihre Punktwertungen bekanntgeben. Diese setzen sich zusammen aus den Wertungen Eins bis Acht, Zehn sowie Zwölf und werden letztlich bestimmt durch eben ihre Stimmen, also scheuen Sie sich nicht, treffen Sie ihre Wahl! Am Ende haben wir dann den großen Gewinner – auch wenn ich jetzt schon sagen kann, dass für mich alle Sieger sein werden. Bis dahin wird es aber ein langer Abend, also lassen Sie uns nicht allzu viel Zeit mit diesen Formalitäten vergeuden. Ich will schließlich endlich wissen, was unsere Gäste heute für uns im Petto haben! Außerdem ist unser Motto „Let's just live“, und nicht „Let's just talk“!“

      „Da hast du wohl recht. Aber noch eine kleine Sache bevor....“

      „Nein, keine 'Aber's, mehr!“, unterbrach Lien ihren Kollegen mit gespielter Entrüstung.

      „Oh, keine Sorge, das wird dir sicher auch Gefallen. Ich meine, 14 Gäste, so ein wildes Publikum und wer weiß wie viele Zuschauer vor den Fernsehbildschirmen. Das ist zu zweit vielleicht ein wenig schwer zu handhaben. Darum dachte ich mir, wir könnten ruhig noch ein wenig Verstärkung gebrauchen. Und ich glaube, sie hat uns auch ein kleines Präsent mitgebracht. Oder, Onatah?!“

      Als Thọ beinahe beiläufig den Namen Onatah fallen ließ brach die Menge im Stadion nochmals in tosenden Jubel aus, während von der Seite der Bühne die junge Vogarin Onatah Aaberg ins Rampenlicht trat, unter deren Führung eine bunte Truppe von Musikern den WSC nach Kusari geholt hatte. Es brauchte fast eine Minute, ehe der Geräuschpegel soweit abgeebbt war, dass die fast schon verlegen grinsende Onatah halbwegs zu Wort kommen konnte.

      „Na ja, je nachdem wie du es sehen willst – Pralinen habe ich jedenfalls nicht mitgebracht“. Das enttäuschte Raunen des Kusaren, welches folgte, sorgte für einige Lacher. „Aber es hat mich so gefreut, dass du mich um Hilfe gebeten hast, da konnte ich einfach nicht mit leeren Händen kommen. Und da dies hier ja ein Abend voller musikalischer Einlagen werden soll habe ich mir gedacht: Was wäre ein besserer Einstand als ein Song?“

      „Soll das etwa heißen das ist die Rückkehr von The Rain and The Flood auf die Große WSC-Bühne?!“

      „Außerhalb der Konkurrenz natürlich, aber ja“, Onatah nickte, erneut füllte Jubel und Applaus die Halle.

      „Na dann wollen wir mal niemanden länger auf die Folter spannen – mich eingeschlossen!“, klinkte sich Lien ein und hob den Arm in Richtung Onatah und der Bühne hinter hier, die für den Moment noch verdunkelt lag. „Starten wir in den Abend mit The Rain and The Flood und ihrem außerordentlich passenden Titel Let's just Live!“

      Noch während Lien gesprochen hatte war Onatah zügig nach hinten gespurtet, um sich beim Rest ihrer Truppe einzufinden. Diese wurde nun wie auf Kommando vom wechselnden Scheinwerferlicht erhellt und begann, den diesen Abend einleitenden Song zu spielen.





      Während die Band spielte gab es immer wieder Jubel, viele wippten auch im Rhythmus mit. An manchen Stellen wurde es jedoch vor allem um die anwesenden Kusaren herum still und nachdenklich – zu klar war die Hommage an die vor bald zwei Jahren verstorbene Hoang Thi Mon, deren Tod die Vogarin, ihre Band und Kusari zusammengebracht hatten. Am Ende stand jedoch wieder freudiger Applaus, denn die Botschaft war klar: Niederlagen und Verlust sind Bestandteil des Lebens, doch so sind auch die schönen Dinge. Und eben jene gilt es zu zelebrieren. So, wie seit fünf Jahren mit diesem weltweiten Musikwettstreit.

      „Einfach unglaublich, danke Onatah! Aber machen wir direkt weiter, indem wir den Blick nach Süden richten. Denn jetzt erwartet uns als erster Teilnehmer eine Performance von unserem Nachbarn Ryukyu. In dem Sinne, Bühne frei für die Mädchen von Yoko Club!“

      „Moment mal, den Namen hab' ich doch irgendwo schon gehört...“, war noch halblaut und mit hörbarer Entgeisterung von Thọ zu vernehmen, doch es blieb keine Zeit mehr für Zweifel. Alles war bereits in Stellung für den nächsten – den ersten offiziellen – Auftritt.
      The Rain and The Flood hatten den Saal bereits gut in Stimmung gebracht, und als dem Publikum Yoko Club mit ihrem neuen Titel Megitsune als erste Wettbewerbsinterpreten angekündigt wurden, war jedem Besucher klar, dass weiter rockige Töne angeschlagen würden. Yukiyo, Kahori und Akiko hatten es sich nicht nehmen lassen, eine effektgewaltige Choreographie zu ihrem Auftritt auszuarbeiten, um den Schwung aus der Eröffnungszeremonie, die Vorfreude auf den Abend und die Euphorie in den Reihen des Publikums aufzugreifen und das Stadion auf Hochtouren zu bringen. Als die drei Sängerinnen auf der Bühne erschienen, gab es für die Zuschauer kein Halten mehr.




      Nach ihrem Auftritt bedankten sich die drei Ryukinnen noch kurz beim Publikum im Stadion und grüßten die Zuschauer rund um den Globus. In ihrer Heimat waren sie bereits seit ihrem Durchbruch 2014 gefeierte Stars, aber ein Mega-Event wie dieses war auch für sie etwas ganz Besonderes.

      Auch wenn der Kontrast zwischen dem Auftreten der doch eher zierlichen Damen von Yoko Club und der Musik, die sie spielten doch von mancher Seite als äußerst irritierend bezeichnet wurde, die Ryukinnen wussten auf jeden Fall, eine Show hinzulegen, die der eines WSC-Gewinners in keinster Weise nachstand. Das Publikum im Stadion war kaum mit ihrem Applaus für ihre Vorgänger fertig gewesen, da hatte Yoko Club bereits damit damit begonnen, die ersten Jubelschreie für sich zu gewinnen. Und auch jetzt, nachdem ihre Perfomance ihr Ende erreicht hatte war es tosender Applaus, mit dem man den ersten Interpreten des Abends von der Bühne verabschiedete.

      "Meine Güte, diese Mädchen haben es echt drauf!", proklamierte Onatah schließlich sichtlich begeistert.
      "Nicht wahr? Ich meine, diese härteren Töne sind jetzt nicht so mein Stil, aber das Talent kann man ihnen nicht verwehren! Und ich liebe diese Einbringung traditioneller Elemente".
      "Ich wusste doch, dass ich das schon mal gehört habe. Erst 2016 und jetzt heute", verkündete Thọ ein wenig verzweifelt aus seiner Ecke heraus, doch die beiden Frauen schienen kaum Kenntnis von seinem Leiden zu nehmen.

      "Und mit dem ersten Beitrag des Abends abgehakt bleiben noch ein ganz paar weitere! Fahren wir also fort mit...ja, mit wem denn eigentlich, Onatah?"
      "Was für eine Frage! Mit der Nation der Selucen, Theomedien natürlich! Als Vertreter von dort erwarten uns jetzt Gínontai mit ihrer rockigen Ballade Áchrista rológia!"

      Wie auf Kommando meldete sich eine Stimme aus dem Äther zu Wort, die den kommenden Interpreten ankündigte.

      "Die Gruppe mit dem vielsagenden Namen Gínontai - was sich in etwa mit "Wir sind fertig mit allem" übersetzen lässt - hat sich 2001 um den damaligen Kfz-Mechaniker und heutigen Lead-Gitarristen Kristof Chontos herum gegründet und war lange Zeit nicht mehr als ein Freizeitprojekt. Erst im Rahmen eines nationalen Gesangswettbewerbs, bei dem sie die eigentlich in Theomedien wenig beliebten, harten Klänge westlicher Rockmusik einem Millionenpublikum präsentierten, kamen sie 2015 ganz groß raus. Allein diesem Durchbruch ist es wohl zu verdanken, dass sie nach den Künstlern der letzten Jahre, die alle eher den klassischen Musikgeschmack der Theomeden vertreten hier bei uns auf der Bühne stehen dürfen.
      Der Song, mit dem Gínontai heute antritt, Áchrista rológia, oder Kaputte Uhren ist eine gefühlvolle und doch klassisch rockige Ballade über einen Soldaten, der nach langen Jahren voll mit Einsätzen und Reisen zurückkehrt in eine Welt, in der einfach nichts mehr so wie früher ist. Einziges Relikt seiner vergangenen Jugend ist eine kaputte Uhr, die an dem Tag stehen blieb, als er sein einstiges Leben und seine Jugendliebe zurückließ"
      .





      Auch wenn die wenigsten der Zuschauer den pyodischen Text des Songs verstanden hatten, zu Ende waren doch einige Ecken im Stadion zu sehen gewesen, in denen Zuschauer im Takt der Musik mit Feuerzeugen oder den Lampen ihrer Smartphones im Takt hin und her geschwenkt hatten.

      "Etwas guter alter Rock, so lobe ich mir das doch! Gínontai, meine Damen und Herren!"
      "Und als nächstes auf dem Programm steht....meine Güte, jetzt geht es aber los mit den Sprüngen quer über die Welt! Alle zusammen, begrüßen wir aus meiner Heimat, Vogar...Anna Mikkel!"
      Nachdem die Ryuken und die Theomeden die Bühne gerockt hatten, herrschte schon einiges an guter Stimmung im Stadion und die Zuschauer jubelten. Nun war Anna Mikkel dran. Die junge Vogarin war als Sängerin erst vor kurzem der Durchbruch in ihrer Heimat gelungen, zuvor war sie bekannte Aktivistin gegen den Bürgerkrieg in Helgen im Jahr 2016, zudem engagiert sie sich seit Anfang 2017 in zahlreichen Projekten zum Wiederaufbau von kulturell oder historisch bedeutenden Gebäuden der Hawchik, die im Laufe des Bürgerkrieges vernichtet wurden. Doch darum würde es heute nicht gehen, heute ging es darum einfach zu leben und so startete langsam die Musik als sie die Bühne betrat mit einer Gruppe Menschen aus vielerlei Länder und der Auftritt konnte starten.



      Nachdem ihr Auftritt vorbei war und die Menge im Jubel ausbrach, verneigte sich Anna. Gerade für sie als Neuling in der Musikbranche war es ein ganz besonderer Abend, hatte sie doch vor kurzem erst in ihrer Heimat Bekanntheit erlangt, stand sie nun hier und vertrat ihr Land bei einer internationalen Veranstaltung. Auf verschiedenen Sprachen bedankte sie sich und winkte den Zuschauern zu bevor sie die Bühne verließ.
      Nach dem nicht weniger energetischen, melodischen Auftritt der Vogarin und ihrer Truppe war das Publikum erneut außer sich. Aber allen voran war es wohl Onatah, die mit einem Grinsen auf den Lippen und kräftigem Applaus ihrer Landsfrau für die gelungene Performance gratulierte.

      "Vilken underbar föreställning, Anna! Fortsätt slåss för rätt saker!", ließ sie freudig in ihrer Mutterpsrache verlauten. Erst, als sie die verwirrten Blicke ihrer Co-Moderatoren bemerkte vermochte Onatah, sich ein Schulterzucken abzuringen. "Verzeihung, musste sein. Anna Mikkel, meine Damen und Herren!"
      "Okay, lassen wir das einfach so stehen. Für den nächsten Beitrag auf unserer Liste geht es zurück nach Asua. Denn aus Orizon erwartet uns nämlich Karunidea! Bühne frei!"
      Es wurde rhuiger auf der Bühne, und Orizon welches sich das erste mal der Weltöffentlichkeit auf einer Bühne präsentierte schickte seine Hoffnung auf eine gute Performance auf die Bretter, welche die Musik ausmachten.

      Die Bühne der Konzerthalle wechselte von ihrem bisherigen Farbenspiel in ein dezentes weises Licht, die Töne wurden rhuiger - es würde mit über die wichtigsten Dinge im leben gesungen werden - Liebe, Hingabe, Freude und Hoffnung.

      In dieser Hoffnung gingen die beiden Teilnehmerinnen der Gruppe "Karunidea" auf die Bühne, nämliche Freude und Hoffnung auf die Liebe zu wecken.



      Nach der Vorstellung winkten beide Teilnehmerinnen und bedankten sich fröhlich in Andermanisch, Redonisch und Shoto bei Publikum, Moderatoren und Organisatoren dafür teilnehmen zu dürfen und füllten den Saal mit einer strahlenden Wärme:

      Vielen Dank dass wir bei Ihnen allen Teilnehmen dürfen ! Wir freuen uns sehr darüber und sind dankbar für alle welche unsere Musik lieben und uns Unterstützen. Viele Küsse und Liebe an Kusari !

      Thank you that we may take part in all of you! We are very happy and thankful for all who love our music and support us. Many kisses and love to Kusari!

      皆さんに参加していただきありがとうございます! 私たちは音楽を愛し、私たちを支えているすべての人にとても幸せであり、感謝しています。

      Kusariに多くのキスと愛がある!



      Orizon - Realm of the Calmness, Land of Bushido, Home of the Holy Ones


      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Orizon“ ()

      "Ach, nichts zu danken ihr Beiden!"
      "Also wenn es nach mir ginge könntet ihr nächstes Jahr gern wiederkommen!"
      "Du meinst doch hoffentlich, weil sie musikalisch so begabt sind..."
      "Klar, wieso? Was hast du denn gedacht?"

      "Na, wie auch immer. Unsere nächsten Teilnehmer bringen das Mikrofon zurück nach Euridika, um uns zu zeigen, was im fernen Westen alles So drauf hat. Aus Lobenstein erwarten uns nun nämlich Kim Pors and the Riswijk Brothers, mit ihrem Titel Party Brothers".
      "Dann Party on würde ich sagen!"
      Kim Pors hatte in 2016 die Talentshow "Lofensteens Idol" gewonnen. Mit ihrem damaligen Titel "Breathing Into the Sky" erreichte sie in ganz West-Euridika mindestens die Top 10 der Charts. In Lobenstein bekam sie für diesen Titel gar die goldene Schallplatte. Mitte 2017 schloss sie sich dann mit den bis dahin weniger erfolgreichen Riswijk Brüdern zusammen. Zu dritt gelang ihnen dann mit "Venga, Venga, Venga" ein erstklassiger Sommerhit, der in vielen Ländern ein großer Erfolg wurde. Zu dem lobensteiner Vorentscheid schloss sich der Dreiergruppe noch Marieke Pechler an, die bis dahin einige gute Schlager-Hits gelandet hatte. Mit "Party Brothers" konnte man den nationalen Vorentscheid mit großem Vorsprung gewinnen.



      Am Ende verabschiedete sich Kim Pors noch von dem Publikum mit den Worten: "Thank you, Kursai, for this wonderfull evening!"



      "À, có phải nó không được gọi là <<Kús arì>>?", murmelte Onatah halblaut und in nicht allzu schnellem Kusarisch in Richtung Lien, kurz nachdem sie die Lobensteinerin von allen "Kursaien" verabschiedet hatte, die fast schon intentionell falsche Aussprache des Gastgeberlandes beklagend.
      "Ugh, điều đó không thành vấn đề. Cô ấy là một chó cái dù sao", war die nicht weniger leise, aber deutlich zügigere Antwort, welche die Vogarin von ihrer für einen Moment überhaupt nicht begeistert wirkenden Co-Moderatorin erhielt. Doch so schnell, wie dieser Moment gekommen war, war er auch wieder vergangen, und ein freudiges Lächeln fand seinen Weg zurück auf ihr Gesicht - auch wenn es im ersten Augenblick vielleicht ein wenig erzwungen wirkte.
      "Vielen dank, Kim, das war eine tolle Performance! Da bekommt man richtig den Drang, mitzutanzen".

      "Tanz' aber nicht zu lange, denn es geht direkt weiter mit unserem Programm. Nun erwartet uns nämlich quasi ein Heimspiel. Richtig, es ist Zeit für den Auftritt aus Kusari!"
      "Oh, da bin ich ja jetzt gespannt. Wer uns dieses Jahr wohl erwartet?"
      "Na, ich glaube ja, zumindest du dürftest sie schon gut kennen".
      "Ja, gut, diese Ungewissheit war jetzt vielleicht ein bisschen gespielt. Aber dennoch, es ist mir nicht weniger eine Riesenfreude, euch den kusarischen Act anzukündigen: Hier kommt Võ Thủy Linh!"

      Wenig, nachdem sich die drei Moderatoren von der Bühne verkrümelt hatten trat die Künstlerin auf die Bühne, die heute das südostasuatische Land vertreten würde - oder, besser gesagt: sie kam angerollt, auf einem Skateboard, von dem sie in der Mitte der Showfläche gekonnt absprang und noch im Flug nach einer Gitarre griff, die ihr eine zu Beginn noch im Schatten verborgene Person hinhielt.

      Die zwanzigjährige Thủy Linh war eines vieler junger Nachwuchstalente, die seit dem Ende des Bürgerkriegs und der damit einhergehenden Öffnung der Gesellschaft für allerlei fremde Einflüsse in den Fokus gerückt waren. 2016 landete sie mit ihrer Hitsingle "Vì tôi còn sống" ["Weil ich lebe"] auf Platz 1 der einheimischen Charts und wurde besonders unter jungen Hörern zu einem Favoriten. 2017 dann bewarb sie sich dann zur Teilnahme am WSC, verlor jedoch im Zuschauerentscheid gegen ihre Konkurrentin Onatah Aaberg, die bekannterweise in diesem Jahr mit The Rain and The Flood nach Ryukyu reiste. Dieser Rückschlag, aus dem auch eine gute Freundschaft mit der letzjährigen WSC-Gewinnerin erwachsen ist hielt sie jedoch nicht davon ab, es dieses Jahr nochmals zu versuchen - und siehe da, heute steht sie vor den Augen der Welt auf der Bühne, um für ihre Heimat zu singen.



      Als die Vorstellung der Kusarin beendet hatte traten auch wieder Thọ, Lien und Onatah auf die Bühne, und letztere verabschiedete Thủy Linh mit einer kurzen Umarmung, bevor diese von der Bühne schlich. Das Publikum indes, das verständlicherweise zu einem großen Teil aus Einheimischen bestand jubelte "ihrem Kandidaten" noch eine ganze Weile frenetisch entgegen.
      "Eine wirklich WSC-würdige Vorstellung! Mal sehen, ob die nächsten Teilnehmer es auch so drauf haben".
      "Mensch, sei noch ein wenig befangener, Thọ", mokierte sich Lien mit einem kurzen Lachen und schüttelte den Kopf.
      "Na und, das macht es nicht weniger wahr!"
      "Als nächstes erwartet uns auf jeden Fall eine Truppe, die eine lange Reise nach Osten hinter sich hat. Darum begrüßen wir ohne weitere Umschweife ganz herzlich: Anat Wehbe!"
      Die ehranische Künstlerin Anat Wehbe konnte in der Vergangenheit bereits die ein oder andere Single auf den Markt bringen. Der große Erfolg blieb jedoch bisher aus. Die in Ehrastan geborene und in Wolkowien aufgewachsene Wehbe wurde zum diesjährigen Contest von der Medienanstalt Shilosha Talak ausgewählt, um Ehrastan in Chiancong zu vertreten. Der Auftritt ist für das eher konservative Ehrastan sehr liberal und freizügig ausgefallen. In einem Hauch von Nichts tritt Anat und ihre Background-Tänzerinnen auf. Im Vorfeld wurde darüber diskutiert, ob der Auftritt würdig sei, um Ehrastan international zu vertreten. Um allerdings den neuen ehranischen Liberalismus zu präsentieren, ließ man diesen Auftritt so gewähren. Für die mittlerweile in Redonien lebende Künstlerin war solch eine Freizügigkeit bereits normal. Eine weibliche Sängerin könnte in dem Land der Freiheit einfach keinen Erfolg haben, wenn diese nicht die Fantasie ihrer Zuschauer anregte.

      Hier ist nun Anat Wehbe mit "Heartbeating".



      Ein "Thank you, Chiancong" gab es von der attraktiven jungen Sängerin noch, bevor sie wieder von der Bühne verschwand.



      "Na da hat sie aber die Kamel-Puppe von vor hin perfekt in die Show mit eingearbeitet!"
      "Was für eine Puppe? Wovon redest du - hast du schon wieder getrunken?"
      "Klar, aber was hat das jetzt damit zu tun?"
      "Vielleicht, dass - ugh! Oh, du alter Lümmel du..."

      "Ja, so ist er, zur Musik gehört für manche eben auch das Trinken. Aber was eben so zur Musik gehört ist, nun ja, Musik. Darum weiter im Programm!"
      "Genau, denn unsere musikalische Achterbahnfahrt bringt uns als nächstes nach Osteuridika, wo die Winter kalt und die Sommer mild sind. Unsere nächste Teilnehmerin kommt nämlich aus Karjakien und hört auf den Namen Iŋgá Kieras. Also, Bühne frei für Iŋgá!"
      Iŋgá Kieras und ihre Mitsängerin betraten die Bühne in der traditionellen Kleidung der Karjaken und genauso traditionell war auch das Lied, welches sie hier der Menge präsentierten. Es handelte sich dabei nämlich um einen Joik.
      Joik ist der Gesang der Karjaken. Ein jedes Karjakisches Kind lernt zu joiken, wenn nicht zu Hause, dann in der Schule. Viele haben auch ihren persönlichen Joik, denn sie zu Geburt erhalten haben.
      Trotz ihren erst 23 Jahren gehört Iŋgá Kieras aus Guovdageai∂n zu den bekanntesten Joikerinnen des Landes.

      Hier ist Iŋgá Kieras mit dem Joik "Giddat"!


      "Vielen Dank Kusari! Ollu giitu Kusári!"
      "Ganz große Sache, Mädels!"
      "Ich muss ja sagen, diese traditionelle Tracht beeindruckt mich ja schon sehr. Man kann klar sehen, dass in den gesamten Auftritt viel Liebe zum Detail geflossen ist".
      "Na, ob das bei unserem nächsten Auftritt so ähnlich aussehen wird?"

      "Genau, schließlich bleiben wir im hohen Norden, nur ein wenig weiter westlich geht es! Na, von wem reden wir?"
      "Uhm...Warägien?"
      "Schön, dass du das Programm gelesen hat. Nein, die kommen noch. Ich meine natürlich Nordgård".
      "Na, die meinte ich doch auch! Also, Bühne frei für Sverre Lindholm!"
      Nach dem die junge Linnea letztes Jahr für Nordgård haarscharf am Sieg vorbeischrammte, versucht dieses Jahr ein Superstar der nordischen Musikszene sein Glück.
      Sverre Lindholm hat schon viele nordische Hits in den Umlauf gebracht und hoffte hier und heute auch die Welt mit einem seiner Hits zu begeistern.

      Herzlich Willkommen an Sverre Lindholm mit seinem Song "Gjøre Ingenting"!


      Nach dem er geendet hatte hob Sverre noch einmal die Stimme: "Tusen Takk for alt! Ich hoffe meine Konkurrenten befolgen nicht, was ich hier gesungen haben. Wäre schade wenn sie nichts machen würden!"
      Ein lautes lachen entbrannte, zumindest unter den nordischen Fans im Stadium, denn Gjøre Ingenting heisst übersetzt auf andermannisch "Nichts machen".
      "Oh kom igen, Sverre, die meisten deiner Mitstreiter haben so eine lange Anreise hinter sich. Wenn sie mal ein paar Stunden brauchen, um die Füße hochzulegen, dann verschieben wir den WSC eben auf nächste Woche!"
      "Oh Gott, bitte nicht".
      "Weißt du, wie viel es kostet, diesen Spaß zu veranstalten?"

      "Wie? Na gut, dann eben nicht. Machen wir lieber direkt weiter in unserem bunten Programm, und ziehen sogleich wieder zurück nach Osten".
      "Jap, jetzt geht es um Wolkowien, das Land der Schabonade und Namen, die nicht mal die Einheimischen immer richtig aussprechen können".
      "Sagen wir hallo zu Kislány!"
      Für Wolkowien tritt in diesem Jahr Alexandra Pintái an, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Kislány. Sie geht an den Start mit Kislány, kezeket fel!, oder übersetzt: „Kislány, Hände hoch!“

      Das Lied basiert auf dem bekannten wolkowischen Spielfilm A nagy szünet („Die große Sause“) von 1934. In der Komödie hält eine junge Dienstmagd, im Film schlicht Kislány (Wolkowisch für Mädchen) genannt, eine ganze Kleinstadt zum Narren: Von ihrem Dienstherren eigentlich nur zum Kauf einer Feuerlöschspritzpumpe in die nächste Siedlung geschickt, wird sie von einem Schneegestöber überrascht und gibt sich kurzerhand als gestrandete Grafentochter Dorottya á Kostuh-Lónyaj aus. Daraufhin von allen Seiten hofiert, bringt sie es bis zur Ehrenbürgerin der Stadt, bekommt ein Pferd geschenkt, kauft ein Segelboot, mietet eine ganze Etage eines Hotels an und erlangt eine Teilhaberschaft an einer Eisengießerei. Die Scharade geht so weit, dass sogar der schwerreiche Banker Kálnoky um ihre Hand anhält. Der Schwindel fliegt erst auf, als sie die örtliche Polizeiwache mobilisiert, um die Stadtkasse für sich zu beschlagnahmen. Ein Polizeibeamter erkennt sie, und so heißt es schließlich: Kislány, kezeket fel!

      Zweieinhalb Jahre haben namhafte Experten ihres Fachs an dem Musikvideo gearbeitet, und mit einem Budget von acht Millionen Dollar ein zeitloses Meisterwerk geschaffen. Die verbauten fließenden Übergänge von Farbe zu Schwarzweiß und umgekehrt (Ohne jeden Zwischenschnitt!) oder das Hereinanimieren der Sängerin in den Film von 1934 mit einer Brillanz so nahtlos, dass für das menschliche Auge die Originalaufnahmen vom modernen Videomaterial überhaupt nicht mehr zu unterscheiden sind, zählen schon heute zu den aufwendigsten jemals in der Geschichte des bewegten Bildes zum Einsatz gekommenen Spezialeffekten. Nur die weltbesten Backgroundartists wurden verpflichtet, während Pintái mit ihren furiosen Tanzschritten die vielleicht größte Revolution in der Tanzkunst seit dem Sunwalk von Jack Michaelson gelungen ist. Ihre modische und gleichsam funktionale, auf volle Bewegungsfreiheit ausgelegte Kleidung und ihre zeitlose Frisur werden schon morgen rund um den Globus neue stilistische Trends setzen.

      Freuen Sie sich auf ein Stück Popmusik aus dem Land des schönen Wetters und der guten Laune!

      Hier kommt Kislány mit Kislány, kezeket fel!





      "Oh, diese stellare Anwendung hochmoderner Editing-Techniken! Sie blendet mich!", rief Onatah in gespielter Agonie, sich die Hände vor die Augen haltend.
      "Es ist fast schon wie Magie..."
      "Ach, dieser ganze Krimskrams drumherum ist doch nebensächlich. Was zählt, ist das gesangliche. Und das war echt tip top".
      "Definitiv".
      "Dem kann ich so zustimmen".

      "Wenn ihr zwei euch dann also wieder eingekriegt habt, warum fahren wir nicht fort mit unserem nächsten Gast?"
      "Ich bin jetzt zwar blind, aber das die muntere Truppe schon in den Startlöchern steht, das merke ich auch so. Von daher: Einen kräftigen Applaus für Aya, die für Kaohthom antreten!"
      Nach dem die Bühne freigegeben wurde ertönte wieder die Erklärstimme aus dem Off. "Die gebürtige Sofia Delli und Wahl sangkom tritt nun für die kaoh mnoussa thom an. Sie überzeugte die Inselbewohner mit ihrem internationalen Mystischen klängen aus einem elektro-, Folk, Weltmusikmix. Sie singt in Anderman und phaésaea chasa und verleiht damit dieser alten Sprache einen schönen neuen Klang. Die zweimalig ekau Gewinnerin präsentiert ihnen heute die Geschichte von Aulë und Yavanna einem Märchen aus der Gesellschaft. Freuen sie sich auf die Mhystische welt der Legenden und lassen sie sich verzaubern. Hier ist Aya"



      Nach dem Aya fertig war bedankte sie sich noch "Danke Kusari, Danke" und verließ unter Applaus die Bühne.

      Spoiler anzeigen

      Das wäre übrigens der Alternativ auftritt gewesen:

      und ja sie singt manchmal in gebärde.

      by gallimathias with components of: reference
      "Ich glaube, die einzigen, die sich bedanken sollten sind wir! Danke, dass du heute hier sein konntest, Aya".

      "So, und als nächstes geht es wieder nach Euridika. Als nächstes an den Start treten wird nämlich eine bunte Truppe aus Th-", begann Lien, den nächsten Act anzukündigen, hielt jedoch abrupt inne, sich ans Ohr greifend. Es schien so, als würde sich jemand über ihr Headset bei ihr melden.
      "Huh, sieht wohl so aus, als habe Lien ein wichtiges Telefonat zu führen. Wollen wir sie mal lieber nicht dabei stören, o-oder?", sprang Onatah etwas zögerlich in die Bresche.
      "Ja, sicher! Es, uhm...es könnten ja schließlich die Produzenten von KUTV1 sein, die sie endlich für die zweite Staffel von Die Fehler unserer Väter verpflichten wollen. Thi May best girl...und so!"

      Einen Moment starrten sich der Kusare und die Vogarin verhalten an, während etwas weiter hinten Lien irgend etwas in ihr Mikrofon zischte, das für den aufmerksamen Muttersprachler gefährlich nach etwas wie: "Was soll das heißen: "Die haben ihre Hosen angezündet"?!", klang. Nach einigen quälend langen Sekunden, in denen keiner so richtig wusste wie es jetzt weiter ging, ergriff schließlich Thọ das Wort.
      "Ha, war natürlich bloß Spaß! In Wahrheit gehts jetzt gar nicht nach Thay. Es gibt ja schließlich noch einen Kontinent, den wir noch überhaupt nicht besucht haben!"
      "M...Meridiem?"
      "Inana!"
      "I-Inana, genau!", wiederholte Onatah, bemüht darum, so zu wirken als wüsste sie, was der Plan war.
      "Und weil wir aus Inana bisher noch gar nichts gehört haben, lassen wir sie lieber nicht noch länger warten - unsere Teilnehmer aus Barassons! Spot an, hier kommt Mulara!"

      Während im Zentrum der Bühne bereits der nächste Auftritt enthüllt wurde verdrückten sich Thọ und Onatah zügig von der Bühne, Lien, die mittlerweile dazu übergegangen war, im Hintergrund wild und inkoherent vor sich hin zu fluchen, mehr oder weniger mitschleifend.
      Die 26-Jährige Mulara war in einer achtwöchigen Castingphase im Sommer 2017 als erste barassonische Teilnehmerin am WSC auserkoren worden. Zuvor war sie vor allem unter Studenten und jungen Menschen in den größeren Kulturzentren des Landes aufgetreten und hatte so in den vergangen 3 Jahren eine gewisse Berühmtheit erlangt. Sie selbst kam aus armen Verhältnissen und hatte in ihrer Kindheit Rassismus gegen sich selbst und ihre Eltern erleiden müssen, was vor allem mit der kolonialgeschichtlichen Dominanz weißer Herrscher bis zum Ende des 20. Jahrhunderts zutun hatte. Das Lied, das sie heute aufführen würde, trug den Titel Loliwe (and. "Der Zug") und widmete sich dem Schicksal dunkelhäutiger Arbeiter, die noch zu Zeiten des barassonischen Kommunismus in sogenannten Fortschrittszügen zu den barassonischen Minen verschleppt und zum Arbeiten gezwungen worden waren.



      "Merci beaucoup! Vielen Dank! Thank you!", rief die junge Frau in den drei Amtssprachen ihres Landes ihrem Publikum zu, bevor sie die Bühne verließ.