Gespräche zwischen dem redonischen Außenminister und General Kirkenes in Theodopolis

      Gespräche zwischen dem redonischen Außenminister und General Kirkenes in Theodopolis

      17. Januar 2018 - Theodopolis, Theomedien

      Eine Regierungsmaschine der Redonischen Föderation näherte sich dem Internationalen Flughafen der theomedischen Hauptstadt Theodpolis. An Bord befand sich Secretary of State Gregory Howard, der in wichtiger Mission unterwegs war. Seine Aufgabe war es, über die Aufhebung der Sanktionen gegen Theomedien zu verhandeln und zu prüfen, ob sich eine Annäherung an Theomedien lohnen würde. Die Dezemberkrise, der Tod von Markos und die Entfernung ihrer treuen Anhänger aus dem Staatsapparat eröffneten Türen, die vor Monaten – vermeintlich – auf lange Zeit verschlossen worden waren. Angesichts der steigenden Spannungen auf Euridika und vor allem Aufgrund der äußerst angespannten Lage im umkämpften Mondego, lag es nahe die Beziehungen zu diesem langjährigen Rivalen neu auszuloten. Der Vertrag von Columbia war ein Sprung nach vorn gewesen, auch die geheime Mondego-Absprache, doch Domasov hatte der beginnenden Euphorie einen gewaltigen Schlag versetzt. Jetzt war alles anders: Es galt herauszufinden wie General Kirkenes die redonisch-theomedischen Beziehungen einschätzte und inwiefern er ein verlässlicher Partner sein konnte, denn dies wirkte sich auch auf die Verlässlichkeit der bisher getroffenen Mondego-Absprache aus. Begleitet wurde Howard von Mitarbeitern anderer Ministerien, wie etwa einem der höheren Beamten aus dem Handelsministerium. Zudem war geplant, dass zur gleichen Zeit wie der Ankunft von Secretary Howard eine Passagiermaschine des redonischen Militärs aus Mondego eintraf, in welcher einige Abgesandte des Regionalkommandos der Redonischen Streitkräfte in Mondego erwartet wurden. Am Internationalen Flughafen wurden Howard und seine Begleiter von einem hohen Beamten des theomedischen Staatsapparats empfangen und in gepanzerten Fahrzeugen in den Regierungspalast gebracht, in welchem General Kirkenes die Staatsgeschäfte lenkte, bis Neuwahlen stattfanden. In Redonien rechnete man beinahe damit, dass Kirkenes sich selbst für den Posten des Tristates aufstellen ließ und daher war Howards Anwesenheit noch wichtiger.

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      Der Empfang für die redonische Delegation am Flughafen war eher zweckmäßig gewesen. Ohne großes Spektakel hatte man Howard und seine Entourage zu den Wagen gelotst, welche sich dann zügig in Bewegung setzten. Tatsächlich war das einzige Anzeichen, das hier etwas ungewöhnliches vor sich ging der Fakt, dass die auch heute noch am Flughafen stationierten Soldaten besonders darauf bedacht waren, Außenstehende von den Zugängen zum Flugfeld fernzuhalten. Auch andernorts auf dem Weg der Kolonne in Richtung Innenstadt warfen immer wieder Gruppen von Uniformierten misstrauische Blicke in Richtung der Fahrzeuge und sorgten hier und da dafür, dass Zufahrten zu Kreuzungen, die sich mit der Route schnitten scheinbar willkürlich für einige Minuten absperrten. Eine klare Erinnerung daran, dass der Staatsnotstand zwar formell für beendet erklärt worden war und das alltägliche Leben wieder Begann, Einzug in die großen Städte zu halten, doch dass eine Rückkehr zum Normalzustand noch in einiger Ferne lag.

      Als die Redonier ihr Ziel, den Kaiserpalast im Herzen der Stadt, nach einer guten Stunde schließlich erreicht hatten warteten die Gastgeber bereits im Vorhof des Geländes. Die Meisten unter ihnen trugen die charakteristischen grüngrauen Uniformen des theomedischen Militärs, nur Zwei oder Drei aus dem guten Dutzend Anwesenden zeichneten sich durch ihre zivile Kleidung aus und sich eher unauffällig zu den Seiten der Aufstellung auf. Von großer Bekanntheit oder Bedeutung war sowieso kaum Einer von ihnen - beinahe allesamt waren sie Statisten auf der politischen und militärischen Bühne ihres Heimatlandes gewesen, die erst im Chaos der letzten Wochen in ihre weitaus bedeutsameren Positionen gerutscht waren. Die einzige Person, auf die dies auf den ersten Blick nicht zutraf schien der Herr in der Mitte der Formation zu sein. Bereits als die Kolonne eingetroffen war hatte er einige Schritte nach vorne getätigt, und wartete nun mit hinter dem Rücken ruhenden Armen, bis die Gruppe von Neuankömmlingen ihre Fahrzeuge verlassen hatte. Das kurze, ergraute Haupthaar - offenbar bereits geplagt von ersten Anzeichen von Haarausfall - ließ sich nur marginal von der kühlen winterlichen Brise, die über das Gelände wehte, beeindrucken, ebenso wie der säuberlich getrimmte Vollbart. Die Abzeichen auf seiner Uniform zeichneten ihn als General der Landstreitkräfte aus. Aber es war nicht einfach nur irgend ein General, der die Delegation aus Redonien in Empfang nahm.
      Es war der General.

      "Herr Howard, willkommen in Theomedien", eröffnete Dimitri Kirkenes schließlich, seine rechte Hand hinter dem Rücken hervorholend um sie dem Secretary of State zur Begrüßung auszustrecken. "Entschuldigen Sie den mageren Empfang, aber dieser Tage ist wenig Zeit für viel Prunk. Außerdem - und verzeihen Sie mir diese Analogie - wäre es wohl schwer zu erklären, warum man dem verhassten Nachbarn vom anderen Ende der Straße ein allzu großes Bouquet überreicht". Es folgten knappe Begrüßungen und Vorstellung gegenüber dem Rest der zwei Gruppen, bevor Kirkenes vage gen Haupteingang gestikulierte.

      "Warten wir noch auf jemanden, oder können wir uns bereits nach drinnen begeben, Herr Howard?"

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      Für Gregory Howard war dieser Besuch in Theomedien sicherlich einer der wichtigsten diplomatischen Einsätze seines gesamten Lebens. Auf der einen Seite ging es um die Evaluation möglicher zukünftigen Gespräche zwischen Redonien und Theomedien, auf der anderen Seite hing in gewisser Weise der Vertrag von Columbia an seinem Besuch hier. Als er und seine Begleiter – Vertreter der Regierung und des Militärs – an der Regierungsmaschine abgeholt und recht schnell in die gepanzerten Fahrzeuge gebracht wurden, war Howard keineswegs überrascht: die theomedisch-redonischen Beziehungen waren seit Jahrzehnten strapaziert und obwohl es kleinere Annäherungen im Laufe des vergangenen Jahres gegeben hatte, so konnte man wohl kaum einen roten Teppich, eine militärische Ehrenformation und Pomp und Prunk erwarten. Für all das war Howard auch nicht hier: er war hier um Diplomatie zu betreiben. Während der Fahrt in Richtung des Kaiserpalasts hatte Howard Zeit nochmals seine Akten durchzugehen, ehe er ab der Hälfte der Fahrt aus dem Fenster sah und die Innenstadt von Theodopolis musterte. Als sie schließlich im Kaiserpalast ankamen und er, sowie seine Delegation, ausstiegen, straffte er seine Schultern und schloss sein marineblaues Jackett an einem der Knöpfe, ehe er auf Kirkenes und dessen Delegation zuging und die Hand des Generals ergriff.

      „General Kirkenes, es ist mir eine Freude Ihre Bekanntschaft zu machen.“ Er schüttelte die Hand des Generals und lächelte dann. „Machen Sie sich darum keine Sorgen, ich verstehe es. Letztlich sind wir ja auch für die Diplomatie hier und nicht für den roten Teppich.“ Howard stellte im Anschluss kurz seine Delegation vor, ehe er leichte nickte und sich in Richtung des Haupteingangs drehte. „Wir sind vollständig, ich denke wir können.“ Er wartete einen kurzen Augenblick bis sich Kirkenes in Bewegung setzte und folgte ihm dann. „General, man hat die sogenannte Dezemberkrise in Columbia mit großer Aufmerksamkeit verfolgt,“ begann Howard und wandte sich im Gehen leicht zu Kirkenes. „Sie verstehen sicherlich, dass man sich in Columbia nicht sicher ist, wie diese Situation nun letztlich zu bewerten ist. Ich bin hier, um als Vertreter Redoniens dem theomedischen Volk die Hand zu reichen.“

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