[Allgemein] Bedeutende Persönlichkeiten

      Nguyen Dinh An


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      Nguyen Dinh An, 1917


      Nguyen Dinh An ( * 17.04.1847 in Nanjinh, Kusari; † 02.11.1918 in Chiancong, Kusari) war ein kusarischer Revolutionär, Begründer des Shinismus und erster Staatschef der Kusarischen Räterepublik.

      Bekannt wurde Nguyen zu Lebzeiten als Shin Taki Mao, einem Decknamen, unter dem er eine Überfahrt von Kusari nach Wolkowien buchte. Der Name war angelehnt an die ryukische Namensgebung und erlaubte ihm, sich gegenüber mondegassischen Kolonialbeamten als Ryuke auszugeben und so das Land zu verlassen. Zeit seines Lebens behielt er den Namen, und auch sein Sohn führte die Tradition fort. Mit dem Ende des zweiten Volkseinigungskrieges und schließlich dem Zusammenbruch des Shinismus im 21. Jahrhundert kehrte man jedoch in der Allgemeinheit davon ab. Während die positive Betrachtung der überlebensgroßen politischen Figur Shin aus der Allgemeinheit verschwand, gilt der reale Nguyen Dinh An vielen Kusaren bis heute als Nationalheld, Vorreiter des Antikolonialismus und Begründer des modernen Kusari.

      Als Nguyen Dinh An 1847 als Sohn eines Angestellten bei der Bank von Kusari geboren wurde, stand Weskusari bereits seit mehr als zehn Jahren unter mondegassischer Kontrolle; Nanjinh war zu einer regelrechten Enklave der euridischen Kultur geworden. Aufgrund der Anstellung seines Vaters war die Familie Nguyen eine der wenigen, die als Kusaren in der Stadt überhaupt geduldet wurden. Da es Kusaren aber seinerzeit nicht vorgesehen waren, dass kusarische Kinder an den mondegassischen Escolas no Exterior ausgebildet wurden, musste Nguyen Dinh An auf eine kusarische Schule außerhalb der Stadt gehen, und gelangte so schon in seiner Jugendzeit mit zwei von Grund auf verschiedenen Welten in Kontakt. Im Gegensatz zum glänzenden Nanjinh, das bereits in den zehn Jahren unter mondegassischer Kontrolle stark von westlicher Kultur beeinflusst wurde und die Bevölkerung der Stadt – hauptsächlich mondegassische Einwanderer und ausländische Geschäftsmänner – in Saus und Braus lebte, plagte sich die kusarische Bevölkerung mit dem alltäglichen Leben und Repressionen durch die Kolonialherren herum. Das Bewusstsein darum, dass in seiner eigenen Heimat zwei Gesellschaften existierten, bei denen die eine offenbar ohne jeden nachvollziehbaren Grund auf Kosten der anderen lebte und die Repräsentanten des kusarischen Volkes in Chiancong nichts unternahmen war in den folgenden Jahrzehnten wichtiger Bestandteil seiner Taten. Schon mit 18 Jahren versuchte er, die Umstände der kusarischen Bevölkerung zu verbessern und gründete eine Interessensgruppe, die mehrfach versuchte, die mondegassische Kolonialverwaltung zu einem weniger ausbeuterischen Verhalten und einer Gleichberechtigung der kusarischen Bevölkerung zu bewegen.

      Ein erstes mal Bekanntheit erlangte Nguyen dabei mit seinem 1868 veröffentlichten “Schreiben an die Mondegassen von Nanjinh”, das sowohl an die Kolonialverwaltung ging als auch mittels Flugblättern auf dem Marktplatz der Stadt verteilt wurde. Darin forderte er die Mondegassen auf, im eigenen Sinne ihr Handeln zu überdenken und legte seinen Forderungen ein Gedankenexperiment bei, in dem Mondego von einem starken kusarischen Staat kolonialisiert worden ist. Das Schreiben brachte Nguyen Dinh An beinahe eine mehrjährige Haftstrafe ein, aber große Solidarität seitens der kusarischen Bevölkerung um Nanjinh, die beinahe in Aufständen gemündet hätten, ließ die mondegassische Verwaltung vorerst davon absehen. Nguyen war bereits nach zwei Wochen wieder auf freiem Fuß.

      Zu seiner eigenen Sicherheit, aber auch, um ein besseres Bild von den euridischen Kulturen zu erhalten begab sich Nguyen Dinh An 1869 schließlich mit einem Großteil der Ersparnisse seiner Familie nach Wolkowien. Um als wohlbekanntes und der Kolonialverwaltung unbequemes Individuum überhaupt Kusari verlassen zu können, gab er sich als ryukischer Geschäftsmann aus, der nur auf der Durchreise war. Als man ihn im Hafen von Nanjinh nach seinem Namen fragte, gab er sich zum ersten Mal als Shin Taki Mao zu erkennen, und reiste unter diesem Namen auch in Wolkowien ein. Wieder unter richtigem Namen begann er Anfang 1870 in Pomáz Ökonomie zu studieren und sich mit Historie zu beschäftigen. In dieser Zeit, in der er sorgfältig die Geschichte der euridischen Staaten in soziologischer und politischer Hinsicht analysierte und sie mit dem verglich, was er über die Vergangenheit seiner Heimat wusste, kam er auch mit den ersten Schriften des Vordenkers Alexej Uljanow in Kontakt.

      Die Art und Weise, in der dieser die Entwicklungen des Jahrhunderts und ihre prognostizierten Folgen betrachtete und scharfe Kritik an den bestehenden Nationen übte trafen bei Nguyen sofort auf guten Nährboden. Über Umwege trafen die beiden schließlich aufeinander und pflegten zunächst eine Zeit lang, ihre Ansichten miteinander auszutauschen und zu diskutieren, wobei Nguyen sich zumeist zurückhielt und an seinem erfahreneren Gesprächspartner orientierte.

      Im Jahre 1872 gründete sich schließlich auf Initiative Uljanows das Kommunistische Korrespondenz-Kommite, und Nguyen Dinh An war teil der Gruppe um den russenischen Vordenker. In den folgenden Jahren baute sich jedoch ein gewisser Zwiespalt zwischen dem Großteil der Mitglieder, die sich an Uljanow hielten und Nguyen auf, der aus einem wachsenden Selbstvertrauen, aber auch aufgrund der Entwicklungen in Kusari hervorging. Während Uljanow methodisches Vorgehen wichtig war und er den Beginn einer kommunistischen Revolution in den Arbeitern Wolkowiens sah, wollte der rhetorisch gewandte, aber ungeduldige Nguyen eine Besserung der Verhältnisse in seiner kolonial besetzten Heimat, und das so schnell wie möglich. Seine Begründung lag darin, dass die Unterjochung ganzer Völker im Zuge kolonialer Dominanz die offensichtlichste Form der Unterdrückung durch die herrschenden Klassen Euridikas sei. Laut Nguyen war es erforderlich, “das Feld von ganz unten aufzurollen”, um einen vollständige, erfolgreichen Aufbruch der Klassen-Gesellschaft zu erzielen.



      Quelle | Urheber unbekannt | Gemeinfrei

      Nguyen Dinh An auf einem Foto, das während einer Versammlung des Kommunistischen Korrespondenz-Kommitees 1874 aufgenommen wurde.


      Mit der Zeit wurde der Graben zwischen Nguyen, der seinen Blick auf Asua richtete und immer wieder versuchte, innerhalb des Kommitees aggressiv mit seinen Plänen nach vorn zu preschen und Uljanow immer größer. Doch bevor weiteres passieren konnte, wurde 1883 ein Attentat auf Uljanow verübt, schlug aber fehl. Im folgenden stob die Gruppe um ihn auseinander. Während Uljanow in seine eigene Heimat zurückkehrte, brach Nguyen überstürzt zurück nach Kusari auf – wieder unter dem Namen Shin Taki Mao.

      In der Folgezeit bemühte Shin, der bei seinem Decknamen geblieben war, um während seiner Aufenthalte in den mondegassischen und andermannischen Gebieten weniger Aufmerksamkeit zu erregen, sich darum, Anhänger unter der ländlichen Bevölkerung um sich zu scharren und vor allen in den Städten des kusarischen Kaiserreiches die Autorität der Verwaltung zu untergraben. Im Zeitraum von 1884 bis 1888 veröffentlichte er mehrere öffentliche Briefe, die äußerst scharfe Kritik an Mondego und dem Andermannreich, aber auch an der schwäche und dem Opportunismus der kusarischen Regierung übte – vielleicht ein Vorzeichen auf das, was 1890 schließlich kam. Überall auf kusarischem Gebiet erhoben sich Gruppen von Bauern und Arbeitern, die die Kolonialherren genauso wie die Anhänger des kusarischen Kaisers im Namen der Revolution vertrieben. Shin Taki Mao stürmte an der Seite einer großen Gruppe von Kämpfern den Palast in Chiancong, tötete den Kaiser und verkündete die Revolution.

      Wenig später veranlasste er die Gründung der Kusarischen Räterepublik, und etablierte sich als erstes Staatsoberhaupt. Von 1891 bis zu seinem Tod bemühte er sich darum, die auf das alltägliche Leben ausgerichtete shinistische Ideologie im Volk zu verbreiten und diesem auch vorzuleben. Außerdem wurde mehrmals versucht, Kontrolle über die andermannischen Gebiete Kusaris zu erlangen, die während der Revolution nicht gefallen waren. Das sollte Volksheld Nguyen Dinh An allerdings nicht mehr erleben. 1918 starb er nach einem Schlaganfall in seiner Holzhütte am Rande von Chiancong.


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      Eine Statue von Nguyen Dinh An vor dem Rathaus von Nanjinh.
      (Inschrift: "In ewiger Dankbarkeit")
      Shin Van Lanh


      Quelle | Mainichi Newspaper Office | Public Domain

      Shin Van Lanh, 1942


      Shin Van Lanh (* 1888 in Nanjinh, Kusari; † 14.06.1955 in der Sowjetunion) war ein kusarischer Geheimdienstler und später der zweite Staatschef der kusarischen Räterepublik. Er war der Sohn des Revolutionärs Nguyen Dinh An. Aus ideologischen Gründen trug er jedoch zeit Lebens den Familiennamen Shin, den sein Vater als Deckname benutzte.

      Ein großer Teil seines politischen Erbes war die Wandlung des Shinismus von einer primär antikolonialen zu einer beinahe ausschließlich kommunistischen Ideologie sowie das Bestreben, die kusarischen Völker militärisch zu vereinen; eine Doktrin, welche 1943 zum zweiten Volkseinigungskrieg führte. Dementsprechend negativ ist die öffentliche Meinung im post-sozialistischen Kusari gegenüber Shin. Die Diskreditierung seiner Person begann jedoch bereits kurz nach seinem Tod 1955, als die Repräsentanten der kusarischen Räte zügig damit begannen, ihn als Hauptschuldigen für die Gräuel der 40er Jahre auszumachen.

      Vieles über die frühen Jahre Shins ist unklar; seine Ursprünge gelten als verklärt zwischen einem Mangel an Aufzeichnungen und einem Narrativ, welches Shin in späteren Jahren über sich selbst konstruierte. Geboren wurde er wahrscheinlich 1888, das genaue Geburtsdatum ist unbekannt. Der erste Beleg seiner Existenz stammt von 1891, als Nguyen Dinh An einer Parade zu Ehren der neu gegründeten Räterepublik beiwohnt; ebenfalls zugegen war seine spätere Lebensgefährtin Võ Ánh Trang, welche ein Kleinkind an der Hand hält. Dies war eine der wenigen Gelegenheiten, zu denen die Öffentlichkeit Shin vor dem Beginn seiner politischen Karriere zu Gesicht bekommen sollte. Anders als später durch ihn verbreitet hatte dies wenig damit zu tun, ihn ausführlich auf die spätere Übernahme der Staatsführung vorzubereiten. Im Gegenteil: Nguyen Dinh An war in nicht daran interessiert, in den Schatten eine Herrscher-Dynastie zu begründen, sondern wollte seinem Sohn ein ungestörtes, bodenständiges Leben außerhalb der harten Welt seiner eigenen politischen Tätigkeiten ermöglichen.

      Erste belastbare Daten über die Jugend Shins existieren erst ab 1906. Bis dahin soll er eine grundlegende Schulbildung erhalten und später eine Lehre zum Schreiner durchlaufen haben. Auf wiederholte Bitten erlaubte sein Vater es ihm jedoch, als Teil der Innovations-Programme des kusarischen Staats im Ausland zu studieren. Von 1907 bis 1910 studierte er in Arkadien Rechtswissenschaften mit einem Fokus auf Staatstheorie. Kommilitonen und Professoren bezeichneten ihn als diszipliniert und lernwillig, aber wenig geschickt darin, seine eigenen Ideen im Gespräch mit anderen überzeugend zu formulieren. Dies kann sehr wohl auf seine bekannten Schwierigkeiten mit Columbisch als Zweitsprache zurückgeführt werden, zeugt aber von einem klaren Unterschied zwischen Shin und seinem Vater, welchen er schon in jungen Jahren übertreffen wollte.



      Quelle | Unbekannt | Public Domain

      Aufnahme von Shin während seines Studienaufenthalts in Arkadien, ca. 1909


      Nachdem Shin in seine Heimat zurückgekehrt war, trat er eine Stelle in der Auslandsabteilung des kusarischen Geheimdiensts an, wo er zunächst als Analyst arbeitete. Ab 1913 war er auch an der Koordination zwischen Kusari und verschiedenen prokusarischer Gruppierungen in Ryukyu sowie antikolonialen Bewegungen auf dem asuatischen Festland beteiligt. Shins Karriere sollte aber erst mit dem Tod Nguyen Dinh Ans wirklich an Fahrt aufnehmen. Als dieser 1918 verstirbt geht eine Welle der Trauer durch das Land. Shin nutzte die Gunst der Stunde, um sich das erste Mal in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Noch bevor es eine offizielle Stellungnahme durch die Versammlung der Räte gab, hielt Shin eine Rede in Chiancong, in welcher er sich tief bestürzt über den Tod seines Vaters zeigte. Gleichzeitig verkündete er aber auch, alles in seiner Macht stehende zu tun, die Völker Sibutans zu befreien und das unterdrückerische System der kolonialen Besatzer zu Fall zu bringen. Die Ansprache, der zunächst nur einige hundert Chianconger beiwohnen, verbreitet sich schnell in der Öffentlichkeit. Bereits am Folgetag präsentierten Zeitungen in ganz Kusari Schlagzeilen wie: „Der Sohn beendet, was der Vater begann“. Binnen weniger Tage war der zuvor wenig bekannte Shin Van Lanh in aller Munde. Seine Position an der Spitze der Trauerprozession zur Beerdigung Nguyens stellte ein bedeutendes Symbol dar, und gab einen Ausblick auf die Rolle Shins in den kommenden Jahren.

      Zunächst blieb Shin jedoch weiterhin für den kusarischen Geheimdienst tätig. Unter Ausnutzung von Beziehungen zu hochrangigen Mitgliedern der Organisation übernahm er 1919 die Führung der Organisation – entgegen dem Widerstand einiger hoher politischer Würdenträger. Tatsächlich war Shins neuer Bekanntheitsgrad und plötzlicher Zuwachs an Beliebtheit Vielen ein Dorn im Auge. Den Personenkult, den er sofort begonnen hatte, um sich zu kultivieren, ging nicht nur entgegen Nguyen Dinh Ans persönliche Lehren, sondern auch gegen die grundlegenden Prinzipien, auf denen die Räterepublik fußte. Chu Ân Thiện, enger Weggefährte Nguyens und nach dessen Tod kommissarischer Ratsvorsitzender, attestierte gar: „Er hat das Potenzial, alles zu ruinieren, was wir bisher erreicht haben. Sollte er tatsächlich vorhaben, sich an der Stelle seines Vaters zu etablieren, wird es keine 15 Jahre dauern, bis Kusari in Schutt und Asche liegt“.

      Unter Shins Regie verstärkte Kusari bis 1921 seine Aktivitäten in Asua massiv. Zunehmend wurde damit begonnen, Gruppen zu radikalisieren und für militärische Konfrontationen vorzubereiten, während im andermannisch besetzten Teil Kusaris eine großangelegte Kampagne subversiver Aktivitäten begann. Geheimhaltung war dabei sekundär: Shin positionierte sich oft öffentlichkeitswirksam zu den von ihm angestoßenen Operationen und nutzte jeden noch so kleinen Erfolg, um sich zu profilieren. Ebenfalls umgab er sich mit Unterstützern innerhalb der politischen Basis, vor allem in Südkusari, wo er mit einer aggressiveren Haltung gegenüber der vermeintlichen Unterdrückung von Kusaren jenseits der Grenze zu Ryukyu punkten konnte. Vermehrt kam es besonders in diesen Regionen zum Austausch von Räten mit Shin wohlgesonnenen Personalien. Nach und nach formierte sich ein politischer Block innerhalb der Republik, welcher das ursprüngliche System untergrub und es Shin erlaubte, seine politische Macht zu festigen. Als Chu schließlich 1926 unerwartet verstarb, zerfiel die Anti-Shin-Bewegung innerhalb der Räte schließlich, und Shin wurde mit einer soliden Mehrheit zum neuen Staatsoberhaupt gewählt.

      In den folgenden Jahren festigte seine Position weiter und schuf mit der Allkusarischen Bewegung 1928 eine politische Partei, welche alle politischen Strukturen durchzog und das ursprüngliche Rätesystem nahezu bedeutungslos machte; im Vordergrund stand nun ein avantgardistisches Konzept, wie es Alexej Uljanow ursprünglich propagiert hatte. Im Allgemeinen wandelte sich die schon unter Nguyen Dinh An als Shinismus bekannt gewordene Ideologie weg von einer Form des Antikolonialismus mit egalitären und sozialistischen Elementen. Shin Van Lanh rückte den Sozialismus nach Uljanows Vorbild wesentlich stärker in den Vordergrund und stellte erstmals das Bestreben heraus, Kusari zum Ausgangspunkt für eine kommunistische Weltrevolution zu machen.

      Zweifelsohne eiferte er damit in Vielem der euridischen Sowjetunion nach, und stoß besonders ältere Mitglieder der politischen Elite in Kusari vor den Kopf. Dennoch genoss Shin unvermindert hohen Rückhalt in der kusarischen Bevölkerung. Der anhaltende Aufstieg Kusaris sprach dabei für sich. Von Jahr zu Jahr modernisierte Kusari weiter, während 1934 mit der Vertreibung der andermannischen Kolonialherren aus Westkusari die komplette Befreiung Nordsibutans von fremden Mächten sah. Bestärkt in seinen Ansichten durch den historischen Sieg schoss Shin sofort gegen den letzten verbliebenen Feind auf Sibutan: Das ryukische Kaiserreich. Im Zuge der Unabhängigkeitskrise kam es beinahe bereits in den 30er Jahren zum Krieg zwischen den beiden Nationen. Nur knapp konnte eine militärische Konfrontation abgewendet werden, doch der Weg für die Zukunft war für alle sichtbar gezeichnet. In den kommenden neun Jahren machte Shin es zum obersten Ziel Kusaris, sich auf die Bezwingung Ryukyus und die Befreiung der kusarischen Minderheit vorzubereiten – wirtschaftlich, militärisch und politisch.



      Quelle | Unbekannt | Public Domain

      Shin während seiner Siegesrede im Anschluss an die Verteibung der Andermannen aus Kusari, welche als Auslöser der Unabhängigkeitskrise von 1934 gilt.


      Auf dem Rücken seiner Erfolge und der Durchsetzung des politischen Apparates mit Günstlingen ließ Shin sich mehrfach wiederwählen, und genoss bis 1944 großes Ansehen nicht nur in Kusari, sondern auch bei sozialistischen Bewegungen in ganz Asua. Erst, als die maßlose Überschätzung der Kapazitäten Kusaris deutlich wurde, und die anfänglichen Erfolge im Krieg gegen Ryukyu schnell im Nichts verpufften, wandelte sich das Bild des unfehlbaren Anführers. Zwar hielt sich Shin in Wahrheit aus den meisten Belangen des Tagesgeschäfts heraus und ließ seinen Ministern und Generälen viel Entscheidungsgewalt, doch stellte er sich selbst stets als treibende Kraft hinter allen Entwicklungen in Kusari dar – dies fiel nun auf ihn zurück. Zum Ende des Kriegs war sein Ansehen so stark gesunken, dass er es vermutlich nur der erfolgreichen Aushandlung eines weißen Friedens mit Ryukyu – eher fußend auf der Kriegsmüdigkeit beider Seiten denn auf persönlichem Verhandlungsgeschick – verdanken konnte, nicht sofort nach Kriegsende aus dem Land gejagt zu werden.

      Dennoch waren seine Tage als politische Persönlichkeit so gut wie gezählt. Das große Ziel der Befreiung der Kusaren war gescheitert, ganz zu schweigen von der Entfachung einer Weltrevolution. Millionen Kusaren waren dem Krieg zum Opfer gefallen und das Land lag in Trümmern – er hatte sich im Zeitrahmen vertan, doch letztlich hatte Chu Recht behalten. 1950 trat Shin unter Berufung auf gesundheitliche Gründe, wahrscheinlich jedoch auf Druck seiner früheren Protegés, von allen politischen Ämtern zurück. Wenig später reiste er in die Sowjetunion aus, wo er seine letzten Jahre in relativer Unbekanntheit verbrachte. Im Sommer 1955 verstarb Shin an den Folgen einer Lungenentzündung. Bereits kurz darauf begann die neue politische Führung damit, Shins Persönlichkeit sowie viele seiner Einflüsse aus der kusarischen Gesellschaft zu tilgen. Das von ihm adoptierte System des Avantgardismus blieb jedoch bestehen, und würde Kusari bis zum Ende der Räterepublik begleiten.
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