[CenCom 2019|II] Sitzung zum lusitzchischen Angriff auf Wolkowien

      [CenCom 2019|II] Sitzung zum lusitzchischen Angriff auf Wolkowien

      Abendlicher Krisenstab im CenCom. Nach ereignisreichen 24 Stunden kamen die militärisch Verantwortlichen der Ostmeerunion zusammen, um über den Umgang mit dem lusitzchischen Angriff auf Wolkowien zu sprechen. Auf wolkowischer Seite waren die vier Generalbevollmächtigten, alle Allied Commander und die Mitglieder der Allied Commands anwesend. Das Wort führte der wolkowische Generalbevollmächtigte für die Streitkräfte, General László von Csanád-Rácz:

      „Meine Damen und Herren, ich wünsche Ihnen einen guten Abend und danke Ihnen für Ihr Erscheinen.“, begann er, und schaute kurz von seinen Akten auf in die Runde. „Wie Sie alle durch das Vorab-Briefing und mutmaßlich auch über Ihre Kontakte zu Ihren Regierungen erfahren haben, fand gestern ein etwa halbstündiger Angriff einer lusitzchischen Batterie Raketenartillerie vom Typ ASTRES-II auf wolkowisches Territorium statt. Die Einschläge am Rande der kleinstädtischen Siedlung Ipolgy erfolgten 13 Kilometer hinter der gemeinsamen Grenzlinie, zerstörten drei Gebäude vollständig und führten zum Tod von 12 Zivilisten sowie der Verletzung weiterer 19. Der Angriff wurde durch einen sofort eingeleiteten Gegenschlag unserer Luftwaffe mit gelenkten Bomben beendet, und führte um 23:54 Uhr zur vollständigen Ausschaltung der Batterie auf lusitzchischem Territorium. Die Flugzeuge wurden nicht beschossen. Der Staatspräsident des Wolkowischen Reiches ist unmittelbar den Pflichten nachgekommen, die der Vertrag der Ostmeerunion dem wolkowischen Vertragsteil auferlegt, indem er noch in der Nacht Tristátes Kirkenes über die Attacke und die im Raum stehenden unmittelbaren Gegenmaßnahmen sowie die weiteren Schritte ins Bild gesetzt hat. Wir gehen davon aus, dass diese Nachricht den Tristátes erreicht hat.“ Von Csanád-Rácz betonte diesen Punkt so ausdrücklich, um unterschwellig mitzuteilen, dass man auf wolkowischer Seite davon ausging, dass die hier Anwesenden theomedischen Vertreter oder zumindest General Spiros von ihrem obersten Dienstherren einen klaren Handlungsspielraum vorgegeben bekommen hatten, und sich während dieser Sitzung nicht für jede Kleinigkeit mit Theodopolis würden rückversichern müssen.

      „Staatspräsident Schabo hat mich wissen lassen, dass er diesen jüngsten Angriff und die Reaktion der Regierung Lusitzchiens, die darin bestand, das wolkowische Botschaftspersonal in Svratka auszuweisen, in höchstem Maße ernst nimmt. Wenngleich die Gründe für diese Attacken im Dunkeln liegen, sind nur zwei mögliche Ursachen denkbar: Entweder, die lusitzchische Regierung hat diese angeordnet, um von inneren Konflikten abzulenken. Dann hätte das Regime in Svratka eine rote Linie übertreten, die es auf direktem Wege in eine kriegerische Auseinandersetzung ziehen wird. Oder aber, und das wäre die zweite Möglichkeit, die Zentralmacht hat nun auch die Kontrolle über dahingehend radikalisierte Teile ihrer Armee verloren, die eine Ausweitung des inneren Konfliktes nach außen vorhaben. Dann hätten wir es mit einer unbekannten Anzahl an vagabundierenden Einheiten, ausgestattet mit Raketen, konventioneller Artillerie, Flugzeugen, Hubschraubern und Anderem, die sich keiner Regierung und keinem Recht verpflichtet fühlen, direkt an unseren Grenzen. So oder so, gehen von auf lusitzchischem Staatsgebiet aus operierenden Truppen Angriffe auf Mitglieder der Ostmeerunion aus. Der Präsident hat mir seine Entscheidung mitgeteilt, nunmehr alles Nötige in die Wege zu leiten, um eine weitere von Lusitzchien ausgehende Bedrohung Wolkowiens und seiner Bewohner zu vermeiden.

      Aus diesem Grund aktiviert das Wolkowische Reich hiermit Artikel IV des Vertrages der Ostmeerunion. Wir betrachten die aktuelle Situation nicht als kriegerische Auseinandersetzung, wohl aber als Angriff auf unser Land und Bedrohung des Friedens. Unser Ziel zur Beseitigung dieser Bedrohung, da sich mit der lusitzchischen Regierung hier keine Einigungsbasis finden lässt, ist eine vollständige Entwaffnung Lusitzchiens von Kriegswaffen mit Einsatzpotential gegen seine Nachbarn. Das bedeutet: Jede Form Artillerie, alle Kurz- und Mittelstreckenraketen, alle waffentragenden Flugzeuge und Hubschrauber. Angekündigt in Form eines Ultimatums mit der Aufforderung zum Abzug aus dem Grenzgebiet, zur Selbstzerstörung oder Aushändigung dieser Waffentypen, möglicherweise verbunden mit einem Vermittlungsangebot eines für neutral erklärten Dritten. Geht die Regierung in Svratka auf diese Forderung nicht ein, schlagen wir die Verhängung einer Flugverbotszone über ganz Lusitzchien und die Ausschaltung dieser Systeme aus der Luft vor. Wir rechnen damit, dass eine koordinierte Luftoffensive beider Unionsstaaten das angriffskriegstechnische Potential auf lusitzchischem Boden innert zwei Wochen vollständig zum Erliegen bringen kann. In einem solchen Szenario wären auch Kasernen, Depots, Flugplätze, militärisch genutzte Verkehrswege wie Straßen, Eisenbahnen und Brücken, sprich alle infrastrukturellen Einrichtungen, die die Verlegung oder den Einsatz der genannten Waffensysteme ermöglichen, Ziele.

      Der Präsident hat mich im Besonderen darum gebeten, bei unseren Überlegungen das Maß des diplomatisch Vertretbaren, den Schutz der Zivilbevölkerung sowie die Wahrung ihrer Überlebensmöglichkeiten einfließen zu lassen. Wenn es so weit kommt, und wir Lusitzchien zu unserem eigenen Schutz in die Steinzeit zurückbomben müssen, kommt auf das Land eine humanitäre Katastrophe zu. Das war soweit alles. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.“

      Quellen- und Lizenzangaben der Signaturbilder sind HIER zu finden
      General Spiros saß aufrecht auf seinem Platz, die Arme vor der Brust verschränkt, den Blick aufmerksam auf seinen wolkowisches Pendant gerichtet, während dieser die Lage erläuterte. Als funktionaler Vorsitzender der theomedischen Seite in dieser Angelegenheit war er inmitten seiner Begleiter platziert, die ob der Tragweite der Angelegenheit genau wie bei den Wolkowen das ganze Ensemble theomedischer Stabschefs umfasste, und das Gremium der höchsten Vertreter der Ostmeerunion komplettierte.

      In Spiros' Miene hatte sich sehr schnell ein grimmiger Gesichtsausdruck niedergelassen, seine Stirn war geziert von tiefen Falten. Etwas in ihm wollte in trotziger Genugtuung ein 'Ich habe es euch doch gesagt' in den Raum entlassen. Wochen, nachdem, er zu schnellem, proaktivem Handeln aufgerufen hatte war die Lage nun vollends eskaliert, und genau der Fall eingetreten, vor dem er gewarnt hatte. Man stand mehr oder weniger genau dort, wo sich Osteuridika im Winter 2017 befunden hatte, und niemand hatte irgendwas daraus gelernt. Stattdessen waren er und seine Verheißungen an jenem Abend quasi aus dem Sitzungssaal gejagt worden und hatten im Nachhinein zwischen ihm und Theodopolis zu mächtigem internen Aufruhr geführt. Dass er auch heute noch seinen Posten in Smolensk inne hatte konnte Spiros nur seinem eigenen Ruf und einigen bedeutenden Freunden in den obersten Kreisen des Heimatkommandos verdanken, welche die Frage nach einer Neubesetzung des Postens unter konstanten Forderungen gegenüber dser politischen Elite nach einer militärischen Intervention erdrückt hatten, da war sich Spiros sicher.

      Jedoch ließ die schwere der Situation keinen großen Raum für Häme und Selbstgefälligkeit, eben weil sich seine Warnungen in solchem Maße bewahrheitet hatten. Vermutlich Tausende Menschen waren im Laufe der degradierenden Sicherheitslage in Osteuridika gestorben, und jetzt, wo dies nicht nur lusitzchische Staatsbürger betraf, sondern auch wolkowische Zivilisten und Soldaten konnte das Reich verständlicherweise gar nicht anders, als mit voller Härte gegen die Gefahr für die eigene Sicherheit anzugehen. Dass man es so weit hatte kommen lassen war eine Schande, aber wenigstens kam jetzt Bewegung in die Angelegenheit.

      "Tristátes Kirkenes hat mir mitgeteilt, dass er in privater Korrespondenz mit dem wolkowischen Staatspräsidenten dem wolkowischen Reich bedingungslosen Beistand im Sinne der Statuten des Vertrags zur Sicherheit und Zusammenarbeit im Ostmeerraum zugesichert hat, und hat mir allumfassende Kompetenzen übertragen, zusammen mit dem wolkowischen Vertragspartner auf eine zügige Begradigung der Lage hinzuarbeiten. Angesichts der Dringlichkeit überspringe ich etwaige umfangreiche Vorreden und komme direkt zum Punkt: Ich befürworte den Vorschlag des General von Csanád-Rácz für einen primär aus der Luft gefochtenen zur schnellen Befriedung der offensiven Kapazitäten Lusitzchiens.

      Alle Informationen deuten mittlerweile darauf hin, dass der Zentralstaat die Kontrolle über die Hälfte seines Militärs verloren hat, und die andere Hälfte ist ganz klar angeordnet, aggressiv speziell gegen das wolkowische Reich vorzugehen. Mit der Ausweisung sowohl des wolkowischen als auch des theomedischen Btschafters würde ich mir keine Hoffnungen auf eine positive Antwort auf jegliche diplomatische Forderung mehr machen, was ein Ultimatum zur reinen Formsache macht. Dennoch wäre es sinnvoll, ein solches über mehrere Tage auszudehnen, um allen Seiten genügend Zeit zu lassen, sich auf den Einsatz vorzubereiten. Wie es um die wolkowische Bereitschaft bestellt ist obliegt mir nicht zu beurteilen, doch werden die theomedischen Lufteinheiten in Westlusitzchien trotz Order zur Mobilisierung noch einige Zeit brauchen, um die volle Einsatzbereitschaft zu erreichen"
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      Nach Spiros unmöglichem Auftritt im CenCom Anfang September hatten wolkowisches Militär und diplomatischer Dienst über vertrauliche Kanäle ihre Unzufriedenheit über den ungestümen General kundgetan. Dass man es noch nicht mit einem neuen Generalbevollmächtigten für die theomedischen Streitkräfte im Bündnis zu tun hatte, war für Smolensk und speziell für General von Csanád-Rácz, dessen persönliche Abneigung seines Amtskollegen in gut informierten Kreisen wohlbekannt war, ein Ärgernis. Allerdings keines, das allzu schwer wog, denn schlussendlich waren die Generalbevollmächtigten lediglich der verlängerte Arm ihrer Regierungen, und setzten deren Weisungen um.

      „Seien Sie versichert, dass man nichts überstürzen wird. Man wird dem Ultimatum Optionen beifügen, die einen politischen Ausweg ohne Anwendung von Waffengewalt möglich machen. Es liegt nicht im Interesse der wolkowischen Regierung, Lusitzchiens Machthaber so sehr unter Druck zu setzen, dass sie nur noch wählen können zwischen ihrem Tod und ihrer Rache. Wir gehen aber davon aus, dass sie das Ultimatum ignorieren oder ablehnen werden, und so wird es zu unserem eigenen Schutz keine andere Möglichkeit geben, als Lusitzchien zu entwaffnen.

      Ein weiterer Punkt, den es zu berücksichtigen gilt, ist die Rebellenfraktion um den Generalleutnant Dvorak. Diese hat die Truppen des Regimes bereits vor Bantice zurückgeschlagen, und ist durch den Zulauf verschiedener Einheiten aus Ostlusitzchien zu einer zahlenmäßig großen, reich mit Material und Nachschub versorgten Kraft geworden, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Svratka zu erobern und das Regime zu stürzen. Wir stehen in Kontakt mit Generalleutnant Dvorak, und er gab uns bisher keinen Anlass, an seiner Aufrichtigkeit zu zweifeln. Diese vom Regime abgekehrten Rebellentruppen dürfen nicht Ziel der Luftangriffe und in ihrer Bewegungsfreiheit nicht übermäßig eingeschränkt werden, wenn das Unternehmen beginnt.

      Hat noch jemand der Anwesenden etwas anzumerken, ehe wir die Detailplanung des Einsatzes an die jeweiligen Fachgremien übergeben?“

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      "Sollte sich in dem internen Machtkampf eine Fraktion hervorgetan haben, die es zielführend und politisch vertretbar ist, zu unterstützen, dann gilt es dies natürlich zu berücksichtigen. Ab davon ist uns zur Zeit über keine solche Gruppierung Näheres bekannt, und die derzeitig unübersichtliche Lage macht etwaige Beurteilungen schwierig. Spricht Wolkowien diesem Herrn Dvorak und seinen Einheiten sein Vertrauen aus, so gibt es jedoch natürlich vorerst keinen Grund dazu, dies nicht auch zu tun.

      Ab davon gibt es derzeit, denke ich, nichts weiteres hinzuzufügen. Wir sollten jetzt zur Tat schreiten und die Gremien ihre Arbeit übernehmen lassen"
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